Früherer UN-Generalsekretär Kofi Annan ist tot

Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Generalsekretär der UN ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Er sei nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen, teilt seine Stiftung mit.

Der Friedensnobelpreisträger und frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, ist tot. Er sei nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen, gab seine Stiftung bekannt. Seine Familie, neben seiner Frau Nane die drei Kinder Ama, Kojo und Nina, hätten die letzten Tage an seiner Seite verbracht.

Annan wurde am 8. April 1938 in Kumasi an der Goldküste, auf dem Gebiet des späteren Ghana, geboren. Seine Eltern stammten aus einer langen Linie traditioneller Herrscher, er selbst begann nach einem Volks- und Betriebswirtschaftsstudium im Jahr 1962 seine Diplomatenkarriere, die 1996 mit seiner Wahl zum UN-Generalsekretär gekrönt wurde. Bis Dezember 2006 leitete er das UN-Hauptquartier am New Yorker East River.

In seinen zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen galt Annan als das moralische Gewissen der Welt. Er setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und bot den USA im Streit um den Irakkrieg die Stirn. Immer wieder bekam er aber auch die Ohnmacht der Weltorganisation zu spüren.

2001 wurde ihm gemeinsam mit den UN der Friedensnobelpreis verliehen. Die höchste einer ganzen Reihe von Auszeichnungen und Ehrungen, darunter zwei Dutzend Ehrendoktortitel von vier Kontinenten und der Sacharow-Preis des EU-Parlaments (2003). Königin Elizabeth II. schlug ihn 2007 ehrenhalber zum Ritter.

Annan war Gründungsmitglied der "Global Elders", einer Gruppe von Persönlichkeiten mit dem Ziel, zur Bewältigung globaler Krisen beizutragen. Von März bis August 2012 versuchte er im Syrien-Krieg als Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga zu vermitteln. Dieser letzte Einsatz wurde zu einem Misserfolg. Die Interessensgegensätze der syrischen und ausländischen Kriegsparteien ließen sich nicht überwinden.

Bis zuletzt war Annan ein gefragter Redner. In einem Interview Anfang 2018 äußerte er sich besorgt über neue globale Fragen wie den Verfall der demokratischen Diskussionskultur durch die Sozialen Medien, den Vormarsch von künstlicher Intelligenz und digitaler Überwachung sowie Bedrohungen des Multilateralismus.

SZ-Redakteur Tobias Zick interviewte Annan 2017 zu den Paradise Papers:

"Das stärkste Gegenmittel ist Transparenz"

Kofi Annan hat sich dem Kampf gegen Steuerflucht und die Ausplünderung Afrikas verschrieben. Im Interview erzählt er vom zähen Ringen mit internationalen Konzernen und gierigen Staatschefs. mehr ...

Nach seiner Pensionierung lebte Annan in seiner Wahlheimat Genf. Seine Familie und Stiftung baten in einer Stellungnahme um die Achtung ihrer Privatsphäre während der Trauerphase.