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Die Subkultur der Neonazis (Teil: 1):Abseits des Reichs: Europa rockt!

Der Kampf gegen die Globalisierung und die USA verändert die Neonazi-Szene. Statt des "Großdeutschen Reiches" wird zunehmend ein "Europa der Völker" propagiert.

"Europa - Jugend - Revolution!" Mit dieser Parole in Lied-Form ist die nationalistische Band Carpe Diem aus dem Raum Stuttgart in den vergangenen Wochen auf Tour gewesen - auf Europa-Tour mit Szene-Bands aus den Niederlanden, Frankreich und Italien. Zu den Zielen heißt es im Internet: "Europa steht am Abgrund! Durch Einwanderung und Amerikanisierung verliert es zusehends seine Identität. [...] Die 'European Revolution Tour 2007' soll der Ausgangspunkt für eine gesamteuropäische Zusammenarbeit sein und eine neue Welle des nationalen Widerstandes auslösen. Das ist unsere Aufgabe, das ist der Grund warum wir eine europäische Revolution brauchen!"

"Identität durch Musik" nennt sich die Initiative von Carpe Diem. Sie ist der Versuch, musikalische Botschaften aus der Skinhead-Szene heraus in bürgerliche Kreise zu transportieren. Ähnlich versucht es auch die NPD mit Festen, bei denen Neonazi-Bands gleichermaßen einen Platz im Programm haben wie Hüpfburgen für Kinder.

Die Idee, mit Musik politische Aussagen zu transportieren, wird dem britischen Neonazi Ian Stuart Donaldson zugeschrieben. Der Sänger der Band Skrewdriver sagte: "Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden."

Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich Ende der achtziger Jahre das Neonazi-Netzwerk "Blood & Honour" (Blut & Ehre) in England entwickelt und sich international ausgebreitet. Heute existiert in fast jedem Land Europas eine Division oder Sektion von Blood & Honour. Mit ihren konspirativen Konzerten, die von bis zu 2000 jungen Leuten besucht werden, hat diese Organisation eine staatenübergreifende neonazistische Jugendkultur begründet.

Donaldson-Memorial der Mutter-Division von Blood & Honour

Ihr Gründer Donaldson wurde zum Mythos, nachdem er am 24. September 1993 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Heute gibt es in Europa so viele Memorial-Konzerte für ihn, dass im September teilweise mehrere an einem Wochenende und manche sogar erst im Oktober über die Bühne gehen.

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