Die Söldner-Branche "Der Irakkrieg ist eine Goldmine"

Immer wieder beklagen Experten die mangelnden Standards der Branche, die laxe Kontrolle und fehlende Befehlsgewalt. Nicht erst seitdem bekannt ist, dass Übersetzer der Unternehmen CACI und Titan an den Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib beteiligt waren, machen Geschichten über unkontrollierbare Söldner die Runde.

"Diese Jungs", sagt ein Geheimdienstmitarbeiter im Irak, "fahren mit ihren Oakley-Sonnenbrillen herum und halten ihre Gewehre grundlos aus den Autofenstern. Was sollen da die Leute in Falludscha denken?"

Das Bersten des Blechs

Im Firmenpavillon hinter dem Hauptquartier ist die Stimmung ungetrübt. Es gibt Hamburger, Barbecuesandwich und Truthahnhaxe wie schon am Vormittag, und an den Ständen der Militärausrüstungsfirmen die neuesten Maschinengewehre, Gasmasken, Schutzwesten und Sonnenbrillen.

Viele große Firmen sind hier, Waffenproduzent Remington zum Beispiel, Bushmaster Firearms und die deutsche Firma Carl Zeiss Optical, deren Vertreter die Dankespost von einem irakischen Privatkrieger gerahmt hat, dessen 3 x 9 x 40 mm Zeiss Conquest Gewehroptik Zeiss ohne Garantieschein ersetzt hatte.

800 Dollar kostet ein Stand bei Blackwater pro Tag, aber selbst kleine Firmen können sich das heute leisten. Sling System zum Beispiel, eine Firma, die Tragegurte für Maschinengewehre vertreibt. Sie ist so klein, dass der Präsident der Firma persönlich am Stand steht und stundenlang vorführt, wie viel schneller man schießen kann, wenn man nur den Sling-System-Maschinengewehr-Gurt benutzt.

Das Geschäft, sagt er, läuft gut, besonders gut seit dem 11. September 2001 und noch besser seit dem Krieg im Irak. "Wir liefern deutlich mehr Gurte", sagt der Präsident, "tausende mehr."

An einem der letzten Messestände steht Tom Cole, der Waffenhändler des Orts. Man kann ihn bis in den späten Nachmittag antreffen, neben dem Fernseher, auf dem sein selbst gedrehtes Endlosvideo läuft.

Darin sieht man, wie er seine erste, selbst gebaute A12 MKII Full Automatic Shotgun am Auto seiner Frau erprobt. 275 Ladungen in der Minute feuert er ab, so als habe der altersschwache Wagen eine Notschlachtung verdient. Jeden Einschlag hat er festgehalten, jedes Bersten des Blechs.

Die letzten Besucher verlassen das Gelände, gehen zurück durch die knapp sechs Kilometer Wälder und Wiesen, die aus Sicherheitsgründen zwischen den Schießplätzen und den Wohnhäusern liegen.

Sie kommen zwangsläufig an Tom Coles Waffengeschäft vorbei, und wenn sie rechtzeitig nach links schauen, werden sie das zertrümmerte Auto davor sehen und das Schild, auf dem steht: "Tackle! - Greif an!"