Die Söldner-Branche "Der Irakkrieg ist eine Goldmine"

Hier in Moyock also, im trockengelegten Sumpfgebiet, das sich im Norden North Carolinas erstreckt, hat Blackwater eine Miniaturwelt des Bösen aufgebaut, eine Welt, die seit ihrer Gründung im Jahr 1996 mit jeder nationalen Katastrophe größer wird.

Nach dem Blutbad in der High School von Columbine hat Blackwater eine High School nachbauen lassen, eine Attrappe, in der Kinderschreie per Lautsprecher eingespielt werden können. Nach dem Bombardement des Kriegsschiffes Cole im Jemen baute Blackwater ein Übungsboot und nach dem 11. September 2001 einen offenen Flugzeugträger zur Ausbildung von Air Marshalls.

Und nun, auf der anderen Seite der Parkplätze, heben Bagger ein riesiges Wiesenstück aus. Dort soll eine Übungsstrecke entstehen, sagt ein Blackwater-Sprecher, für das Training "ausweichender Fahrtechniken" in Krisengebieten. 50000 Menschen wurden hier seit der Firmengründung ausgebildet.

Schneller und billiger

Der Irakkrieg hat das Geschäft kräftig belebt. "Eine Goldmine" sei das, sagt Duncan Bullivant, der Chef der britischen Sicherheitsfirma Hendersen Risk. 15.000 Söldner und private Sicherheitskräfte arbeiten heute dort, ein Zehntel der US-Truppenstärke.

Das Pentagon hat neben Blackwater zwei Dutzend andere Firmen unter Vertrag, die den Wiederaufbau und die Sicherheit im Irak gewährlichsten sollen: den Baukonzern Bechtel zum Beispiel, der für die Infrastruktur zuständig ist; General Dynamics und die Halliburton-Tochter KBR für die Reparatur von Panzern; und die Vinnell Corporation für die Ausbildung des irakischen Militärs.

Allein in diesem Jahr will die amerikanische Regierung 25 Milliarden Dollar für private Militärdienstleistungen ausgeben. Weltweit, schätzt Peter Singer vom Washingtoner Forschungsinstitut Brookings, sind mehr als 100 Milliarden Dollar zu verdienen. Und der Markt ist noch lange nicht ausgeschöpft, denn die Regierung spart Kosten.

"Wo das Militär 160 Leute braucht, brauchen wir nur noch 25", sagt Blackwater-Chef Gary Jackson. "Die Befehlskette ist kürzer, außerdem haben wir die Jungs nicht 30 Jahre am Hals und müssen dann Rente zahlen." Begonnen hat alles vor zwölf Jahren mit Dick Cheney, als dieser noch amerikanischer Verteidigungsminister war.

Damals gab er für 3,9 Millionen Dollar bei seiner späteren Firma, der Halliburton-Tochter KBR, eine Studie in Auftrag, die herausfinden sollte, wie viel Leistungen im Verteidigungsfall an Privatfirmen gegeben werden können. Und schon bald begann der Aufschwung der Militärindustrie.

Zunächst waren es nur Kochdienste, technische Hilfe und Lebensmitteltransporte, die ausgegliedert wurden, aber Ende der Neunzigerjahre, als die Internetwirtschaft boomte und es so aussah, als ob Privatunternehmen grundsätzlich alles besser, schneller und billiger machen könnten, begann die amerikanische Regierung, auch andere Leistungen wegzugeben.

Und so kümmern sich plötzlich Privatfirmen um Lebensmittelkonvois, um Sprengsätze und, wenn es wie jüngst in Nadschaf sein musste, auch um die Bergung verwundeter Marines. "Das Schöne ist", sagt ein Blackwater-Angestellter, "dass wir jetzt alle in einem Boot sitzen und keiner mehr fragt: Bist du ein Marine oder ein Subunternehmer?"

Die Firma zahlt gut. Sie zahlt 800 bis 900 Dollar für den Tag im Irak, ein guter Industriestandard für Internationals, wie die Männer aus westlichen Industriestaaten im Branchenjargon genannt werden.

Andere Mitarbeiter, Männer aus Länder der Dritten Welt, bekommen nur ein Zwanzigstel davon und Iraker gerade einmal ein Hundertstel. Nach dem Massaker von Falludscha hat Blackwater angeblich mehr Bewerbungen bekommen als je zuvor.

"Die Leute sind wütend auf die Iraker", sagt Blackwater-Sprecher Bertelli, "und sie wollen jetzt Vergeltung und sagen, zu Blackwater, da müssen wir jetzt hin."