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Die Söldner-Branche:"Der Irakkrieg ist eine Goldmine"

Es passiert selten, dass Besucher nach Moyock ins Hauptquartier von Blackwater kommen dürfen, doch als Disneys Sportkanal ESPN hier zwei Tage lang eine so genannte SWAT-Show drehen wollte, einen Wettbewerb der besten Polizei-Krisenteams des Landes, willigte Blackwater ein.

Für ein paar Stunden darf man hier alles sehen, die Schießstände, die Klassenräume und die Abenteuerattrappen, hinter denen sich der Geschäftserfolg Blackwaters verbirgt. Eine ganze Konferenz hat Blackwater organisiert, mit einer Vorlesung zur "schusssicheren Psyche".

Es sollen auch gewöhnliche Menschen herkommen, denn Blackwater hat nicht nur Kampfhubschrauber, vertreibt nicht nur Schussanlagen und schult Polizisten, Krisentrupps und Militärs, sondern bietet auch Schießkurse für Hobbyschützen an.

Im Doubletree Hotel von Virginia Beach ruft Ex-General David Grossmann, der Gründer von Killology Research, einer Forschungsgruppe, die sich mit der Psychologie des Tötens beschäftigt, seinen Zuhörern zu: "Nehmt den Geist des Krieges an!" Und: "Es lebe das Kriegerleben!" Etwa hundert Männer sitzen vor ihm, Männer, von denen Organisator Paul Davis später sagt, sie seien "mariniert in Testosteron".

Man erzählt sich, dass selbst der Eigentümer und Gründer von Blackwater hergekommen sei, der Mann, dessen Gesicht niemand kennt. Man weiß von ihm lediglich, dass er 34 Jahre alt und ein "guter Republikaner" ist und zudem Multimillionär.

Wie ein Gespenst schwebt er über der Veranstaltung, weil er angeblich überall zu sein scheint und doch nirgendwo zu fassen ist. "Nie, nie, nie", sagt Blackwater-Chef Gary Jackson, ein ehemaliges Mitglied der Navy-Elitetruppe SEAL, "werden Sie Mister Prince treffen. Nie. Nie. Nie."

Seine Worte kommen wie Schüsse. "Er würde Ihnen wahrscheinlich nicht einmal die Hand schütteln." An diesem Morgen, sagt Jackson, habe er noch hier in dem Büro gesessen, der Gründer, Eigentümer und "Freund", der es in der Navy nur zum Leutnant gebracht hat.

Prince habe ihm an dem "schusssicheren Schreibtisch" gegenüber gesessen, den sich Jackson maßanfertigen ließ, er hat nach den Geschäften der Firma gefragt und sich dann heimlich unter die Leute gemischt. "So viel kann ich sagen", sagt Jackson, "er war da - und jetzt ist er weg."

Man gibt nicht straflos ein Geheimnis über den Gründer preis. Wer Blackwater verlässt, muss eine Unterlassungserklärung unterschreiben und versprechen, nichts über den Gründer und Eigentümer zu verraten.

Matthew Jones, der Reporter vom Virginian Pilot, der größten Lokalzeitung der Gegend, weiß zu berichten, wie schwierig es ist, etwas über Prince herauszufinden. Auch er habe den Mann noch nie zu Gesicht bekommen, sagt er, nicht einmal ein Photo hat er bisher gesehen.

Als seine Zeitung jüngst Sonderseiten zu Falludscha zusammenstellte, mit großen Berichten über Blackwater und über Mr. Prince, sollte ein Photo des Firmengründers dazugestellt werden. "Wir haben eigens einen Reporter losgeschickt, der Bilder von Erik Prince beschaffen sollte", sagt Jones. Vergeblich. Am Ende erschien das Blatt mit einer schwarzen Silhouette. Darüber stand: "Blackwaters best gehütetes Geheimnis: der Gründer".