bedeckt München 10°

CIA-Gefangener Abu Subaida:Waterboarding bis an den Rand des Todes

Nach der Genehmigung kennt die CIA keine Gnade: Bereits am 4. August wenden Agenten zum ersten Mal Waterboarding an, Subaida windet sich in Krämpfen. Es ist nur der Anfang: In den kommenden Wochen wird er mehrmals täglich stundenlang gefoltert, "weint", "fleht" und "wimmert", schwört, keine weiteren Informationen zu haben. Die Agenten schlagen ihn, werfen ihn gegen die Wand oder demütigen Subaida, der stets nackt verhört wird. In der Zeit zwischen den Verhören muss er in eine Kiste in der Größe eines Sarges steigen, wo er insgesamt elf der nächsten 20 Tage verbringen wird.

Obwohl die Agenten schnell überzeugt sind, dass Subaida keine weiteren Informationen hat, simulieren sie 83 Mal sein Ertrinken - ein Gewaltexzess, der den Mann mehrmals fast das Leben kostet. Er sei "völlig apathisch, Blasen kamen aus seinem geöffneten vollen Mund", heißt es einmal in einem CIA-Protokoll. Am Ende muss der verhörende Agent nur mit dem Finger schnippen oder die Augenbraue hochziehen, damit sich Subaida von sich aus zur Folter-Vorrichtung begibt. Selbst einige CIA-Mitarbeiter der Geheimstation sind von den Methoden so schockiert, dass sie "beinahe in Tränen ausbrechen", heißt es.

Die Agenten, die Subaida foltern, sind zum Teil nicht für Verhöre ausgebildet, ein entsprechendes Training führt die CIA erst Monate später ein. Klare Richtlinien fehlen bis Anfang 2003. Zwei Militärpsychologen ohne Kenntnisse über Befragungstechniken, die arabische Sprache oder al-Qaida, evaluieren die Methoden und führen dabei selbst Folter-Verhöre mit Subaida und anderen Gefangenen durch. Später machen sie sich als Subunternehmer der CIA selbständig.

Die CIA? Spricht von "ergiebigen" Verhören

Der Umgang mit Subaida wird zur Vorlage für die Verhöre anderer Gefangener. Während sich die Agenten vor Ort einig sind, dass der Mann nichts mehr weiß, beschreibt die CIA der Regierung die Befragungen als äußerst ergiebig. US-Präsident George W. Bush übernimmt diese Lesart, als Jahre später die brutalen Methoden öffentlich werden und er unter Druck gerät.

Im Oktober 2002 verschlechtert sich die Sehkraft auf Subaidas linkem Auge, womöglich aufgrund der Gewalteinwirkung. Später erblindet er dort. Anfang 2003 wird Subaida in ein Geheimgefängnis auf polnischem Boden gebracht, über mehrere Stationen landet er schließlich im September des Jahres im Gefangenenlager Guantanamo Bay.

Seit mehr als elf Jahren in Guantánamo

Dort lebt Subaida heute noch, er ist inzwischen 43 Jahre alt. Eine Anklage gegen ihn existiert nicht. Journalisten, FBI-Mitarbeiter und sein Anwalt beschreiben Subaidas Zustand als inzwischen geistig umnachtet, vermutlich durch einen irreparablen Hirnschaden hervorgerufen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte im Juni die polnische Regierung, ihm 100.000 Euro Entschädigung für den Aufenthalt im CIA-Gefängnis auf ihrem Territorium zu zahlen.

Anfang 2005 zerstörte die CIA die Videoaufnahmen der Folter-Verhöre. Dies führte nach Bekanntwerden 2007 über Umwege zur Senatsuntersuchung, die in dem nun veröffentlichten Bericht mündete. Dass die folternden CIA-Agenten juristische Konsequenzen fürchten müssen, gilt als ausgeschlossen.

© Süddeutsche.de/segi
Zur SZ-Startseite