Chronologie des Falls Litwinenko:Mysteriöser Mord mit strahlender Spur

Mittlerweile zieht sich die strahlende Spur des radioaktiven Poloniums 210 quer durch Europa. Noch im Dunklen liegt dagegen, wieso Ex-Agent Litwinenko vergiftet wurde. Was bisher geschah - und wer in den Fall verwickelt ist.

7. Oktober 2006: Die regierungskritische russische Journalistin Anna Politkowskaja wird in Moskau ermordet.

19. Oktober: Der Kreml-Kritiker und frühere russische Spion Alexander Litwinenko beschuldigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin, in den Mordfall Politkowskaja verwickelt zu sein.

1. November: Litwinenko trifft sich im Millenium-Hotel mit den Geschäftsmännern und früheren KGB-Agenten Andrej Lugowoi und Dimitri Kowtun. Später kommt Litwinenko mit einem dem Italiener Mario Scaramella in einer Sushi-Bar der Kette "Itsu" zusammen. Scaramella tritt als Geheimdienstexperte auf. An beiden Orten werden später Spuren von Polonium 210 gefunden. Am Abend fühlt sich Litwinenko unwohl und begibt sich in das Krankenhaus von Barnet im Norden Londons.

11. November: Litwinenko sagt im Rundfunksender BBC, er sei vergiftet worden.

17. November: Litwinenkos Zustand verschlechtert sich rapide. Er wird in die Londoner Universitätsklinik verlegt.

19. November: Die britische Presse berichtet über die Vergiftung des russischen Ex-Spions. Zunächst wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um das Schwermetall Thallium handelt.

20. November: Die Kriminalpolizei Scotland Yard schaltet sich ein. Litwinenko wird in der Universitätsklinik unter Polizeischutz gestellt. Er wird zudem auf die Intensivstation verlegt. Ein Kreml-Sprecher weist Spekulationen zurück, Russland habe mit der Sache etwas zu tun.

21. November: Die Polizei vernimmt Litwinenko. Der Italiener Scaramella bezeichnet Litwinenko als hoch gefährdete Person.

23. November: Litwinenko stirbt um 21.21 Uhr Ortszeit an einer Überdosis der radioaktiven Substanz Polonium 210.

24. November: Es wird eine Erklärung Litwinenkos veröffentlicht, die er am Sterbebett verfasst hatte. Darin macht er Russlands Präsident Putin für seinen Tod verantwortlich.

28. November: Der britische Premierminister Tony Blair versichert, dass er "keine diplomatischen oder politischen Hürden" akzeptieren werde, die die Aufklärung des Falls Litwinenko behindern können. Im Londoner Büro des russischen Milliardärs Boris Beresowski werden Spuren von Polonium 210 gefunden. Beresowski lebt im Exil in London. Er hatte Kontakt zu Litwinenko und gilt als scharfer Kritiker von Präsident Putin.

29. November: Die Fluggesellschaft British Airways erklärt, in mehreren Flugzeugen seien "geringe Spuren" radioaktiver Substanzen gefunden worden. Zwei der betroffenen Maschinen waren auch Deutschland angeflogen.

1. Dezember: Die Leiche Litwinenkos wird unter hohen Schutzvorkehrungen obduziert. Medien berichten, Scotland Yard verdächtige inzwischen russische Geheimdienstangehörige. Spuren von Polonium 210 werden bei Witwe von Litwinenko und auch bei Scaramella entdeckt, der in ein Londoner Krankenhaus gebracht wird.

6. Dezember: Scaramella wird aus dem Londoner Krankenhaus entlassen. In der britischen Botschaft in Moskau wird radioaktive Strahlung festgestellt. Die britische Polizei ermittelt ab sofort wegen Mordes. Ermittler von Scotland Yard und der russischen Generalstaatsanwaltschaft befragen Dimitri Kowtun. Er liegt im selben Krankenhaus wie Andrej Lugowoi. Offenbar wird Lugowoi ebenfalls wegen einer radioaktiven Vergiftung behandelt.

7. Dezember: Litwinenko wird in London beigesetzt. Nun ermittelt auch die russische Justiz wegen Mordes. Bei Dimitri Kowtun wird Polonium 210 gefunden.

8. Dezember: Im Londoner Luxushotel "Millenium", dem Ort des Zusammentreffens von Litwinenko, Kowtun und Lugowoj, werden bei sieben Angestellten Spuren von Polonium 210 festgestellt. Zudem werden mehr als 200 Gäste auf Polonium untersucht. Die Hamburger Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Das Wohnhaus von Kowtun im Stadtteil Altona wird auf Polonium untersucht.

9. Dezember: Die Polizei und das Bundeskriminalamt finden im Hamburger Wohnhaus Kowtuns radioaktive Spuren, ebenso in der Wohnung von Kowtuns deutscher Ex-Frau sowie seiner Ex-Schwiegermutter im Kreis Pinneberg. Laut der britischen Zeitung Times gibt es ein mögliches Motiv für den Mord an Litwinenko: Der Ex-Spion hat demnach einen Plan des russischen Geheimdienstes aufgedeckt, von wohlhabenden Exilrussen Geld zu erpressen. Ein Großteil von ihnen seien Mitarbeiter des zerschlagenen russischen Yukos-Konzerns.

10. Dezember: In Hamburg untersucht die Polizei die Fundorte der radioaktiven Substanz weiter. Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz gehen davon aus, dass es sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit" um Polonium handelt. Die Witwe Litwinenkos kündigt in der britischen Presse an, nicht mit den russischen Ermittlern zusammenarbeiten zu wollen. Es ist das erste Interview seit dem Tod ihres Mannes.

11.Dezember: Fahnder von Scotland Yard treffen in Hamburg ein. Sie unterstützen die deutschen Sicherheitsbehörden bei ihren Ermittlungen. Kowtun befindet sich weiter in einem Moskauer Krankenhaus. Die deutsche Polizei ermittelt gegen ihn wegen Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen und des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen.

© sueddeutsche.de
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