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Burkini-Debatte:Schmerzhafter Pragmatismus

Muslimische Mädchen sollten schwimmen können. Wenn der Burkini im Einzelfall die Lösung ist: bitte!

Oft ist es unbefriedigend, heikle Fragen nicht schlicht mit Ja oder Nein beantworten zu können. Alles andere klingt immer nach Feigheit vor dem Feind, nach Ausflüchten und sich winden. Und doch sind hässliche Kompromisse unausweichlich, im Leben und in der Politik. Ein Beispiel ist die Frage: "Sollen muslimische Mädchen im Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen?"

Ja, heißt es an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen, das 20 Leih-Burkinis angeschafft hat. Nein, findet CDU-Vize Julia Klöckner. Eigentlich nicht, aber wenn es nicht anders geht, dann eben doch, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Und sie hat recht. Ja, in einem freien Land sollte die Schule ein Schutzraum sein für Mädchen, die zu Hause kaum Freiheitsgrade kennen. Um sich entfalten zu können, sich auszuprobieren - und später generell mehr Selbstbestimmtheit einzufordern. Der Burkini passt dazu natürlich gar nicht. Und trotzdem muss Pragmatismus möglich sein.

Schwimmunterricht ist nicht verhandelbar, es gilt die Schulpflicht. Außerdem ist es lebensgefährlich, nicht schwimmen zu können. Wenn der Burkini die Lösung ist, bitte schön. Aber: nur im Einzelfall, nicht grundsätzlich. Denn zumindest gerungen werden sollte mit den muslimischen Familien - um mehr Freiheiten für die Töchter.

© SZ vom 26.06.2018
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