Britische Streitkräfte im Irak:Brown verteidigt Rückzug aus Basra

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Der britische Premierminister Brown hat die Räumung Basras als "geordneten Rückzug" bezeichnet. Der Schritt stelle keine "Niederlage" für Großbritannien dar. Basra ist viereinhalb Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs wieder frei von Besatzungstruppen.

Der britische Premierminister Gordon Brown hat den Rückzug aus der irakischen Stadt Basra als eine "im Voraus geplante und organisierte" Truppenverlegung bezeichnet. In einem BBC-Interview widersprach er der Einschätzung vieler Beobachter, dass es sich bei dem Abzug aus der zweitwichtigsten Stadt um eine "Niederlage" handle.

Ein Regierungssprecher fügte hinzu, es sei schon immer das Ziel gewesen, die Zahl der Truppen in Basra zu verringern, sobald die irakische Polizei selbst für Sicherheit sorgen könne. Der Abzug gehe auf eine irakische Initiative zurück.

Brown betonte, dass Großbritannien weiterhin seine "Verpflichtungen gegenüber dem irakischen Volk und der internationalen Gemeinschaft" erfüllen werde. Falls es nötig sei, könne das britische Militär jederzeit wieder in Basra intervenieren. Auch bliebe die Truppenstärke im Irak - so zitiert BBC den Premierminister - zunächst "in etwa gleich".

Brown hat sich zur Frage eines Truppenabzugs aus dem Irak nie auf einen Zeitplan festgelegt. Vermutlich werden aber 500 Soldaten noch in diesem Herbst in ihre Heimat zurückkehren.

Browns Vorgänger Tony Blair hatte bereits im Februar die Zahl der britischen Soldaten im Irak von 7.000 auf 5.500 verringert. Schon damals hieß es, weitere 500 Soldaten könnten abgezogen werden, wenn der Stützpunkt in Basra den Irakern übergeben worden sei.

Rückzug zum Flughafen

Unterdessen haben die Briten die Räumung ihres letzten Stützpunkts im Zentrum von Basra fortgesetzt und sich zum Flughafen zurückgezogen.

Dort ist der Großteil der insgesamt noch 5.500 britischen Soldaten im Irak stationiert. Der Abzug von 550 Mann aus dem Stützpunkt Basra Palace gibt der britischen Regierung die Möglichkeit, ihr Truppenstärke weiter zu verringern.

Der Oberkammondierende der irakischen Truppen in Basra, Generalleutnant Mohan al-Firedschi, bestätigte nach Angaben der britischen Agentur PA, dass nun irakische Truppen die Kontrolle über die Militärbasis im Palast von Basra übernommen haben. "Wir haben jenen (Milizen), die gegen die britischen Soldaten kämpfen, gesagt, dass nun irakische Kräfte in dem Palast sind."

Basra Palace, einst ein Palast von Saddam Hussein, wurde zuletzt fast täglich mit Mörsern oder Raketen angegriffen. Einwohner der Stadt säumten am Montag die Straßen und jubelten über den Abzug der Briten.

Das Verteidigungsministerium in London erklärte, der Abzug verlaufe planmäßig. Es könne aber einige Tagen dauern, bis er abgeschlossen sei. Die USA seien über den Plan informiert gewesen. Diese hatten sich besorgt über das britische Vorhaben geäußert.

Unterdessen ging die Gewalt im Irak weiter. Bei der Explosion einer Autobombe an einem Kontrollpunkt bei Ramadi westlich von Bagdad wurden zwei Polizisten getötet. Vier weitere Beamte und zwei Zivilpersonen wurden nach Behördenangaben zum Teil schwer verletzt.

In Bagdad entging ein irakischer Militärkonvoi einem Autobombenanschlag, stattdessen wurden zwei Passanten verwundet.

© sueddeutsche.de/AP/dpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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