Börsenzusammenschluss Als wär' nichts gewesen

London soll der neue Sitz der fusionierten Börsen werden.

Von Andrea Rexer

Nirgends wird so offensichtlich, dass die Wirtschaft vom Brexit auf dem völlig falschen Fuß erwischt worden ist, wie bei der geplanten Börsenfusion. In der Absichtserklärung der Deutschen Börse und der Londoner Stock Exchange, zu fusionieren, wurde London als Hauptsitz des künftigen Unternehmens festgelegt. Die Erklärung wurde Ende Februar unterschrieben, zu einem Zeitpunkt, als längst klar war, dass die Briten über den Verbleib in der Europäischen Union abstimmen würden. Und dennoch gibt es keine Klausel, die Änderungen nach dem Votum ermöglichen würde.

Während derzeit sämtliche Banken und Industrieunternehmen darüber nachdenken, aus London wegzuziehen, hält die Börse stur an dem vereinbarten Hauptsitz fest. Immer lauter werdende Kritik von Investoren und Politik lässt Börsen-Chef Carsten Kengeter an sich abprallen. Dabei liegt es auf der Hand, dass der wichtigste Handelsplatz Europas innerhalb der Europäischen Union liegen und auch von deren Regulatoren beaufsichtigt werden sollte.

Die Fusion ist strategisch sinnvoll. Die Geschäfte in London und Frankfurt ergänzen sich. Nicht nur aus diesem Grund wäre es ein Verlust, würde der Zusammenschluss scheitern. Er könnte gerade in diesem politischen Umfeld ein Band zwischen Großbritannien und der EU knüpfen und so Signalwirkung entfalten - wenn der Hauptsitz in der EU liegt.