Blockade des Gazastreifens Israel lässt Notlieferung passieren

Erstmals seit Beginn der Abriegelung hat Israel die Lieferung von Treibstoff erlaubt. Der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich in einer Sondersitzung mit der Krise.

Israel hat am Dienstag seine Blockade des Gazastreifens für eine Notlieferung von Brennstoffen gelockert. Israelische Medien berichteten, Lastwägen mit Treibstoff hätten die Grenze passiert. Palästinensische Behörden sagten, der gelieferte Dieselkraftstoff werde für eine Woche reichen. Die Stromproduktion könne innerhalb von zwölf Stunden wieder aufgenommen werden.

Lockerung der Blockade: Israelische Behörden ließen am Dienstag Lastwägen mit Öl und Treibstoff für das Kraftwerk die Grenze passieren.

(Foto: Foto: AFP)

Am Vortag waren etwa 800.000 Menschen in der Stadt Gaza und im Umkreis ohne Strom, nachdem das einzige Kraftwerk des Gazastreifens am Sonntagabend abgeschaltet worden war.

Wieder Raketenbeschuß

Angesichts des wachsenden internationalen Drucks hatte Israel am Montag die einmalige Lieferung von Diesel für das Kraftwerk angekündigt. Auch Medikamente sollen geliefert werden.

Israel hatte am vergangenem Freitag als Antwort auf den ständigen Raketenbeschuss durch palästinensische Extremisten den Gazastreifen abgeriegelt. Nach den Worten des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert soll die Blockade aber erst aufgehoben werden, wenn militante Palästinenser den Beschuss Israels einstellen.

Am Dienstagmorgen landeten in der Negev-Wüste nahe der israelischen Stadt Sderot erneut mindestens zwei palästinensische Raketen, die vom Gazastreifen aus abgeschossen wurden. Nach Angaben eines Armeesprechers wurde niemand verletzt.

UN-Sicherheitsrat berät

Im Zusammenhang mit einer drohenden humanitären Katastrophe im Gazastreifen tritt heute in New York der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Wie Diplomaten in New York mitteilten, reagiert der Sicherheitsrat damit auf einen entsprechenden Antrag von arabischen UN-Botschaftern.

Die Vereinten Nationen müssen ihre Nahrungsmittelhilfe im Gazastreifen einstellen, wenn Israel das Palästinensergebiet weiter abriegelt. Eine UN-Sprecherin teilte am Montag in New York mit, das UN-Hilfswerk in den Palästinensergebieten (UNRWA) habe zwar noch ausreichend Lebensmittel, es fehle aber an Treibstoff und Plastiksäcken zur Auslieferung.

Die Hilfen müssten deshalb von Mittwoch an gestoppt werden. Von den Lebensmitteln sind 860.000 Palästinenser abhängig. Nach internationalen Protesten hatte Israel eine Lockerung der Blockade des Gazastreifens angekündigt.

Generalsekretär Ban Ki Moon besorgt

Angesichts der angespannten Lage im Gazastreifen setzte sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon direkt mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in Verbindung. Ban habe Olmert am Montagnachmittag angerufen, um seine Sorgen über die Entwicklung im Gazastreifen und in Südisrael mit ihm zu teilen, erklärte ein UN-Sprecher in New York. Bereits am Freitag hatte Ban indirekt eine Aufhebung der Blockade gefordert.

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits am gestrigen Montag ohne Ergebnis über die Lage im Gazastreifen beraten. Das höchste UN-Gremium war auf Wunsch der Liga der Arabischen Staaten kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammengekommen, ging nach einer knapp zweistündigen Diskussion hinter verschlossenen Türen jedoch kommentarlos auseinander.

In dem Dauerkonflikt findet der Rat wegen der verhärteten Fronten zwischen den Beteiligten und ihren Verbündeten selten eine gemeinsame Linie.