bedeckt München 15°

Blair und Gaddafi:Treffen in der Wüste

Nach Italien und den USA bemüht sich nun auch Großbritannien auf höchster politischer Ebene um gute Beziehungen mit Libyen. Als ersten Erfolg verbuchen die Briten einen Großauftrag für Shell.

Mit einem Besuch des britischen Premierministers Tony Blair hat Libyen am Donnerstag einen weiteren Schritt unternommen, um die jahrelange internationale Isolation zu überwinden.

Gespräche in der Wüste: Tony Blair verhandelt mit Muammar el Gaddafi.

(Foto: Foto: dpa)

Blair traf am Vormittag in der Hauptstadt Tripolis ein und wurde umgehend zu einer Unterredung mit Staatschef Muammar el Gaddafi zu dessen Zelt in der Wüste gebracht.

Der als historisch gewertete Besuch war der erste eines britischen Regierungschefs in dem nordafrikanischen Land seit der Machtübernahme Gaddafis 1969.

Blair und Gaddafi reichten sich zur Begrüßung die Hand und bekundeten ihre Freude über das Treffen, bevor sie sich in das Konferenzzelt zurückzogen. Der libysche Außenminister Abdel Rahman Schalkam sprach von einer äußerst wichtigen Begegnung, da beide Staaten eine bedeutende Rolle in der nordafrikanischen Region und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent spielten.

Vertrag zur Gasförderung

Blair verteidigte am Mittwochabend in Lissabon seine Annäherung an Libyen. Es sei angemessen, einem Land die Hand zu reichen, das den Weg zurück in die internationale Gemeinschaft suche. Großbritannien war führend an den Verhandlungen beteiligt, die im Dezember zur Ankündigung Gaddafis führten, auf jegliche Massenvernichtungswaffen zu verzichten.

Auf dem Weg nach Tripolis gab ein Sprecher Blairs bekannt, dass der Mineralölkonzern Royal Dutch/Shell einen umfassenden Vertrag zur Gasförderung in Libyen abschließen wolle.

Dessen Wert umfasse mindestens 200 Millionen Dollar, möglicherweise sogar eine Milliarde Dollar. Das Unternehmen selbst bestätigte später, dass eine vorläufige Vereinbarung unterzeichnet worden sei. Demnach erhält Shell die Genehmigung, vor der Küste Libyens Gas zu fördern. Über konkrete Projekte auf dem Festland werde noch verhandelt.

Großbritannien hatte die diplomatischen Kontakte zu Libyen 1984 abgebrochen. Damals fielen bei einer Demonstration gegen Gaddafi in London aus der libyschen Botschaft heraus tödliche Schüsse auf eine Polizistin. Die Beziehungen sanken auf einen neuen Tiefpunkt, als nach dem Anschlag auf eine Pan-Am-Maschine über dem schottischen Lockerbie Ende 1988 eine Verwicklung Libyens sichtbar wurde.

Erst 1999 wurden die Kontakte wieder aufgenommen. Libyen hat sich inzwischen für den Tod der Polizistin entschuldigt und Entschädigung für deren Familie zugesagt. Außerdem erklärte sich Libyen zu umfangreichen Zahlungen an die Opfer des Lockerbie-Attentats bereit.

US-Gesandter Burns übergibt Gaddafi Brief von Bush

Kurz vor Blair reiste auch der Nahost-Gesandte der US-Regierung, William Burns, nach Tripolis und übergab Gaddafi einen Brief von Präsident George W. Bush. Darin werden die Bemühungen Libyens um die Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen gewürdigt, wie die libysche Nachrichtenagentur Jamahiriya meldete.

Burns, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, übergab den Brief demnach am Dienstag. Es war der ranghöchste Besuch eines amerikanischen Regierungsvertreters in Libyen seit mehr als drei Jahrzehnten.

© AP
Zur SZ-Startseite