Berichterstattung:"Die hat's nie gegeben"

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In einer Telefonkonferenz habe Olaf Scholz seine Kandidatur für den SPD-Vorsitz mitgeteilt, berichtete der "Spiegel". Thorsten Schäfer-Gümbel widerspricht.

Von Nico Fried

Es war die innenpolitische Überraschung der vergangenen Woche: Olaf Scholz will SPD-Vorsitzender werden. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte damit eine starke Exklusivmeldung, die am vergangenen Freitag zunächst Parteikreise und schließlich der Vizekanzler und Finanzminister selbst in einem Interview mit der Bild am Sonntag bestätigten. Das war eine Kehrtwende gegenüber seiner bisherigen Haltung, wonach Parteivorsitz und das Amt des Finanzministers allein zeitlich nicht vereinbar seien. Am nachrichtlichen Kern der Meldung gab und gibt es keinen Zweifel.

Trotzdem lastet nun ein Vorwurf auf der Geschichte. Ihre Autoren, drei Reporter im Berliner Hauptstadtbüro des Spiegel, beziehen sich in ihrem Text auf eine telefonische Schaltkonferenz, in der Scholz am Montag der vergangenen Woche seine Bereitschaft zur Kandidatur für den Parteivorsitz mitgeteilt habe. Zitat aus dem Artikel in der aktuellen Ausgabe: "Am frühen Montagmorgen wählt sich Scholz noch vor neun Uhr in eine Telefonschalte mit den drei kommissarischen Parteichefs ein, Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel. Er sagt: 'Ich bin bereit anzutreten, wenn ihr das wollt.'"

Einer der Teilnehmer dieses Gesprächs bestreitet nun diese Darstellung - und zwar nicht etwa ein Detail, sondern den ganzen Vorgang. Thorsten Schäfer-Gümbel sagte am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Malu Dreyer und Manuela Schwesig im Willy-Brandt-Haus: "Wir erleben es regelmäßig, dass es Meldungen gibt, die mit der Realität nichts zu tun haben. Beispielsweise diese angebliche Telefonkonferenz in der vergangenen Woche zwischen uns drei und Olaf Scholz: Die hat's nie gegeben." Zwar ging Schäfer-Gümbel nicht direkt auf das Zitat von Olaf Scholz ein - wenn aber die Schaltkonferenz in Frage steht, gilt das letztlich auch für das Zitat.

Ein solcher Vorwurf wiegt schwer gegen jedes Medium - für den Spiegel ist er aber nach der Affäre um die erfundenen Reportagen des Reporters Claas Relotius besonders heikel. Das Nachrichtenmagazin teilte am Montag auf Anfrage mit: "Der Spiegel bleibt bei seiner Darstellung." Der Sprecher von Finanzminister Olaf Scholz wollte die Äußerung Schäfer-Gümbels nicht kommentieren. Ein SPD-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Es hat am Montag, den 12. August, vor 9 Uhr keine Schalte der drei kommissarischen SPD-Vorsitzenden mit Olaf Scholz gegeben."

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