Berater-Vertrag Schröders Büro

Altkanzler Gerhard Schröder hat kein eigenes Büro mehr im Schweizer Ringier-Verlag - offenbar will der Sozialdemokrat kein Schweizer Steuerprofiteur sein.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Die Aufmerksamkeit war groß, als Gerhard Schröder den ersten Job nach Ende seiner Kanzlerschaft übernahm: Der langjährige SPD-Politiker wurde Top-Berater des Schweizer Verlegers Michael Ringier.

Zahlt Steuern lieber in dem Land, das er einst regierte: Ex-Kanzler Gerhard Schröder

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Und so wurde vor einem Jahr für rund 500.000 Schweizer Franken dem Mann aus Hannover ein adäquates Büro in der fünfte Etage des Züricher Pressehauses eingerichtet, mit schusssicherem Panzerglas zum Beispiel, wie Verlagsmitarbeiter berichten. Auch soll für Zigarrenfan Schröder eine Rauchabzugsanlage installiert worden sein.

Nun aber ist alles ganz anders: Der Altkanzler ist weiter Ringier-Berater, sein Büro aber ist nicht mehr sein Büro. Als Grund wird in seinem Umfeld angeben, dass er andernfalls in der Schweiz Steuern für den Ringier-Job zahlen müsste - der Sozialdemokrat wolle jedoch partout nicht in den Verdacht geraten, von den niedrigen Einkommenssteuersätzen der Eidgenossen profitieren zu wollen.

Keine neue Steuerdebatte

Eine Steueroptimiererdebatte kann Schröder nicht gebrauchen. "Gerhard Schröder steht in Zürich bei Bedarf ein Büro für Besprechungen zur Verfügung. Dieser Raum wurde und wird auch zur Zeit fast ausschließlich von anderen Personen genutzt", kommentiert ein Ringier-Sprecher.

In das frei gewordene Büro ist offenbar Bernhard Weissberg gezogen, Ringiers Mann für besondere Fälle. Der Journalist ist Chefredakteur der Gratiszeitung Heute sowie publizistischer Leiter des Zeitungsbereichs; zusammen mit dem früheren, erfahrenen Bild-Chefredakteur Claus Larass sitzt er dem Vernehmen nach an einer Überarbeitung von Ringiers Boulevardzeitung Blick.

Viele im Haus glauben, Weissberg könne einmmal Nachfolger des langjährigen obersten Ringier-Journalisten Frank A. Meyer werden. Meyer hält sich seit einiger Zeit meist in Berlin auf und hilft, die Kontakte des Verlegers Ringier zum Altkanzler Schröder zu intensivieren. Ringier erklärt: "Wir informieren extern nicht über die Büro- und Sitzordnung unserer Mitarbeiter.`Auch kommentiere der Verlag `Projekte generell nicht".

Auch wenn Schröder nun kein Büro mehr in der Schweiz hat - die Zürcher Verlobung mit dem Presse-Unternehmer hält.