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Auschwitz-Leugner Ernst Zündel:Der Hetzer

Jahrzehntelang hetzte der deutsche Neonazi vom sicheren Ausland gegen Juden und leugnete den Holocaust. Nun muss der Mann, der auch schon Ufos als Nazi-Geheimwaffe bezeichnete, fünf Jahre hinter Gitter.

Viel ist über den bisweilen bizarren Prozess vor dem Mannheimer Landgericht gegen Ernst Zündel berichtet worden. Eingehend wurde das rechtslastige Publikum beschrieben, die Anwältin, die aus dem Gericht getragen werden musste und vor allem die widerliche Geschichtsleugnung, die die Plädoyers der Verteidigung kennzeichnete.

Ernst Zündel

Ernst Zündel

(Foto: Foto: AP)

Heute stand wieder der Angeklagte im Mittelpunkt: Ernst Zündel, 67, ist verurteilt worden. Fünf Jahre muss der Mann mit dem schütteren Haar in einem deutschen Gefängnis nun absitzen, weil er den Völkermord an den Juden systematisch geleugnet und durch antisemitische Hetze zum Hass gegen die jüdische Bevölkerung aufgestachelt hatte.

Damit ahndet die deutsche Justiz erstmals die Aktivitäten des Volksverhetzers, der seit Jahrzehnten die Welt mit seiner kruden Propaganda überzogen hatte. Über seinen Verlag Samsidat vertrieb Zündel Titel wie "Hitler, wie wir ihn liebten und warum" und "Starben wirklich sechs Millionen?".

Auch Radio und Fernsehen nutzte er eifrig. Seine seit 1994 bestehende "Zundelsite" avancierte schnell zum populären Internet-Portal in der einschlägigen Szene.

Die Eltern von Zündels Mutter waren angeblich Juden

Zündels Jugend klingt unspektakulär: Wenige Monate bevor 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, kam er im Nordschwarzwald als Ernst Christof Friedrich Zündel zur Welt.

Kanadischen und israelischen Medienberichten zufolge sollen seine Großeltern mütterlicherseits Augsburger Juden gewesen sein. Im Alter von 19 Jahren wanderte Zündel nach Kanada aus, angeblich um dem deutschen Wehrdienst zu entgehen.

In Nordamerika schloss er sich früh dem Faschisten Adrien Arcand an, übersetzte revisionistische Pamphlete wie "Die Auschwitz-Lüge". Er knüpfte Kontakte zu Größen in der Revisionisten-Szene, unter anderem auch zum britischen Holocaust-Leugner David Irving, der bis Dezember 2006 in einem österreichischen Gefängnis saß.

In den 70er Jahren gründete Zündel einen Verlag und versorgte Freund und Feind mit seinem rechtsradikalen Gedankengut. Einmal sollen sogar sämtliche Bundestagsabgeordnete Post von Zündel bekommen haben.

Von seinem teutonischen Überlegenheitsglauben beseelt, brachte Zündel zwischenzeitlich sogar dubiose Ufo-Erscheinungen und das Dritte Reich zusammen.

Unter dem Pseudonym Christof Friedrich behauptete er in mehreren Publikationen, bei den fliegenden Untertassen handele es sich um Geheimwaffen der Nazis. Zündels absurder These zufolge halten die geflohenen Hitler-Anhänger die Reichsflugscheiben in einer Basis in der Arktis verborgen - um mit ihrer Hilfe am Tag X die Welt zu erobern.

2001 gab Zündel seinen Verlag in Kanada auf und zog in die USA. Als auch sein US-Visum abgelaufen war, schoben ihn die Amerikaner 2003 wieder nach Kanada ab, wo er verhaftet wurde.

Mittels eines Spezialgesetzes gegen Terroristen wurden die Kanadier Zündel los - und ließen ihn nach Deutschland ausfliegen, wo längst ein Haftbefehl wegen der volksverhetzenden Zundelsite und seiner "Germania-Rundbriefe" erlassen worden war.

Ein heuchlerisches Angebot

Zündels dritte Ehefrau Ingrid, eine deutsch-amerikanische Rechtsextremistin, betrieb während des Mannheimer Prozesses eifrig weiter die Zundelsite, Zündels "Briefe aus Gefängniszelle 7", die während der kanadischen Abschiebehaft entstanden sind, werden für 24 US-Dollar angeboten.

Unmittelbar vor der Urteilsverkündung zierte ein Foto die Homepage, das auf der so genannten Teheraner "Holocaust-Konferenz" entstanden war: Zündels Gesinnungsgenossen drücken dem iranischen Staatschef Ahmadinedschad eine "drastische Dokumentation" des Inhaftierten in die Hand.

Die große Bühne, das ist ganz nach Zündel-Manier. Und so nutzte er auch den finalen Tag im Mannheimer Prozess als Forum. Bevor der Richter das Urteil verkündete, sprach der Angeklagte sein Schlusswort. Zu den Vorwürfen äußerte sich Zündel freilich nicht, lieber machte er Propaganda, verpackt in ein heuchlerisches Angebot:

Zündel forderte das Landgericht auf, eine "internationale unabhängige Gutachterkommission" zur Untersuchung des Holocaust einzusetzen. Falls diese ihn widerlege, wolle er eine Pressekonferenz geben - und sich "öffentlich bei Juden, Israelis und der Welt entschuldigen".