bedeckt München 16°

Attacke gegen Ex-Kanzler:US-Abgeordneter wirft Schröder "politische Prostitution" vor

Der demokratische US-Kongressabgeordnete Lantos hat den früheren Bundeskanzler Schröder mit drastischen Worten kritisiert. Die Bundesregierung ist empört.

In einer Rede anlässlich der Einweihung eines Denkmals für die Opfer des Kommunismus sagte der US-Kongressabgeordnete Tom Lantos in Washington, er erwarte nun bessere transatlantische Beziehungen, da sowohl Gerhard Schröder als auch der französische Präsident Jacques Chirac aus ihren Ämtern geschieden seien.

Harsche Kritik am Ex-Bundeskanzler kommt aus den USA.

(Foto: Foto: dpa)

Lantos, der den Auswärtigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses leitet, erinnerte daran, wie die USA Deutschland vor dem Faschismus gerettet und über Generationen hinweg vor dem Kommunismus geschützt hätten. Das alles, um dann zu erleben, wie Chirac und Schröder dem jüngsten Kampf gegen den "Islamfaschismus" den Rücken gekehrt hätten, beklagte der aus Ungarn stammende Abgeordnete.

Lantos sagte weiter, er würde Schröder gern einen "politischen Prostituierten" nennen, "jetzt, da er von Putin (dem russischen Präsidenten) dicke Schecks kassiert. Aber die Prostituierten in meinem Wahlbezirk fühlen sich beleidigt."

Mit der Anspielung auf die Schecks bezog sich Lantos auf Schröders Tätigkeit als Aufsichtsrats-Chef der North European Gas Pipeline. Der russische Staatskonzern Gazprom hält 51 Prozent der Anteile an der Gaspipeline- Betreibergesellschaft.

Die Bundesregierung wies die despektierliche Äußerungen des amerikanische Kongressabgeordneten über den früheren Bundeskanzler mit "Deutlichkeit und Entschiedenheit" zurück.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm bedauerte die Entgleisung des demokratischen US-Politikers. "Das ist ein ungehörige Art der Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland", sagte Wilhelm am Dienstagabend der dpa.

Außenminister Steinmeier erklärte nach Angaben seines Ministeriums in Malmö, Lantos habe mit seinen Äußerungen die Grenzen des politischen Anstands weit überschritten. "Sie sind eines demokratischen Repräsentanten unwürdig und richten sich selbst.

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte am Dienstagabend in Berlin: "Wenn die Äußerungen des US-Politikers Tom Lantos stimmen, sind sie lediglich ein Zeichen politischer Dummheit und Geschmacklosigkeit. Dass Gerhard Schröder mit seinem "Nein" zum Irak- Krieg Recht hatte, sehen nicht nur die Menschen in Europa, sondern auch in den USA."

© sueddeutsche.de/dpa
Zur SZ-Startseite