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Anschlag auf Geheimdienst:Explosion in Syrien tötet mehrere Menschen

Syrien ist von der Waffenruhe entfernter denn je. Wieder hat eine Autobombe Zivilisten verletzt, wieder sind mehrere Menschen getötet worden. Und wieder war das Ziel des Anschlags der Geheimdienst.

Bei einem Anschlag auf ein Gebäude der syrischen Geheimdienste sind in Deir al-Saur im Osten des Landes mindestens sieben Menschen getötet worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Der Agentur AFP zufolge sollen es sogar neun Tote sein. Etwa 100 weitere seien bei der Explosion einer Autobombe verletzt worden, berichtete das syrische Staatsfernsehen am Samstag.

Syrian blast kills seven, wounds 100, state-media says

Syrische Polizisten inspizieren den Schaden, den eine Autobombe in Deir Al-Zour im Nordosten Syriens am Samstag ausgelöst hat.

(Foto: dpa)

Der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge explodierte die Bombe in der Nähe von mehreren Geheimdienstzentralen und einem Militärkrankenhaus.

Das Staatsfernsehen sprach wie gewöhnlich von einem "terroristischen" Anschlag. Das Auto sei von einem "Selbstmordattentäter" gesteuert worden. Nach Angaben der ANP beinhaltete das Auto bis zu eintausend Kilogramm Sprengstoff. Die Explosion habe einen 3,5 Meter tiefen Krater gerissen.

Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von beschädigten Gebäuden, Autowracks und Blutlachen. Nach offiziellen Angaben untersuchte eine Gruppe von UN-Beobachtern den Anschlagsort. Erst am Freitag soll ein schwerer Selbstmordanschlag in dem Gebiet vereitelt worden sein.

Wer hinter dem Anschlag steckt, war zunächst unklar. Während Damaskus von einem Terroranschlag sprach, sah die Opposition einen Racheakt der Regierung von Präsident Baschar al-Assad hinter der Tat. Aktivisten der Untergrund-Opposition erklärten, das Gelände um das Hauptquartier des Geheimdienstes sei seit vier Monaten von Militärposten abgeriegelt und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der zur Freien Syrischen Armee übergelaufene frühere Offizier Abu Mustafa al-Schami bestreitet die Existenz von Al-Qaida-Kämpfer in den Reihen des Widerstands. "Ich kann Ihnen versichern, dass diese Anschläge vom Sicherheitsapparat des Regimes geplant und ausgeführt werden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Gebäude der Geheimdienste waren schon mehrfach Ziel blutiger Anschläge in Syrien. Die Regierung macht dafür regelmäßig die Opposition und Al-Qaida verantwortlich; die Opposition unterstellt dem Regime, die Attentate selbst zu inszenieren.

Die "ganze Verantwortung" für die Tat wie auch für alle anderen "kriminellen Anschläge" liege bei Assads Regierung, erklärte der oppositionelle Syrische Nationalrat. Die Führung in Damaskus wolle sich offenbar "rächen", nachdem sie damit gescheitert sei, Demonstrationen gegen Assad mit zehntausenden Teilnehmern wie am Freitag zu verhindern.

Regierungstruppen hatten laut der Beobachtungsstelle am Freitag das Feuer auf Demonstranten in Aleppo im Norden des Landes eröffnet. In der zweitgrößten Stadt Syriens fand demnach die größte Protestaktion seit Beginn des Aufstands in Syrien statt.

Auch am Samstag kam es wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen. In Sarmada in der Region Idlib wurden nach Angaben der Opposition mehrere Militärfahrzeuge zerstört. In der Region Homs sei die Stadt Al-Rastan den fünften Tag in Folge von den Streitkräften beschossen worden.

Der Militärberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon traf am Samstag zu einem dreitägigen Besuch in Damaskus ein. Generalleutnant Babacar Gaye werde Gespräche mit der UN-Beobachtermission führen, erklärte ein UN-Sprecher. Auch der UN-Sondergesandte Kofi Annan, der die von Anfang an brüchige Waffenruhe vermittelt hatte, wird demnächst in Syrien erwartet.

Seit Beginn der Unruhen im März 2011 kamen nach Schätzungen der UN 10.000 Menschen in Syrien ums Leben. Die syrische Opposition spricht von mehr als 12.000 Toten. Zuletzt wurden in der Hauptstadt am 10. Mai 55 Menschen bei einem Doppelanschlag getötet und fast 400 verletzt.

© Süddeutsche.de/dpa/momi
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