Altern Frauen arbeiten und Frauen waschen

Viele Paare würden die Hausarbeit gerne gerecht verteilen. Doch weil Frauen weniger verdienen, konzentrieren sich Männer auf Lohnarbeit.

(Foto: Stefan Kiefer/mauritius images)

Eine Studie zu Zufriedenheit im Alter zeigt, dass Paare bei der Aufgabenteilung im Haushalt nur wenig Fortschritte machen.

Von Ruth Eisenreich, Berlin

Frauen im mittleren Alter sind in Deutschland immer häufiger berufstätig - ohne zugleich bei der Hausarbeit entlastet zu werden. Das ist eines der Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys, den das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) gemeinsam mit Familien- und Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellte.

Die Hausarbeit machen die Frauen

Die Zahl der 40- bis 65-jährigen Frauen, die arbeiten, ist demnach in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gewachsen: 1996 waren es 50 Prozent, 2008 bereits 65 und zuletzt 71 Prozent. Auch gibt es immer weniger Paare, in denen nur der Mann arbeitet. Nicht verändert hat sich hingegen die Aufteilung der Hausarbeit. Bei den 40- bis 54-Jährigen kümmerten sich sowohl 2008 (zuvor wurde diese Frage nicht gestellt) als auch 2014 bei 62 Prozent aller Paare vor allem die Frauen ums Kochen und Bügeln. Bei den 55- bis 69-Jährigen stieg die Zahl der Paare, bei denen die Frau dafür zuständig ist, leicht an: Von 57,4 auf 58,8 Prozent. Bei den ältesten Befragten gab es einen deutlichen Anstieg.

Das liegt nicht daran, dass die Frauen sich um Putzlappen und Schmutzwäsche reißen würden: Nur 28 Prozent der Frauen, die "überwiegend für die Hausarbeit zuständig sind", zeigten sich mit der Aufteilung "sehr zufrieden", hingegen 64 Prozent der Frauen, die sich die Arbeit fair mit dem Partner teilten. Bei den Männern gab es kaum Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, hier waren je 60 Prozent "sehr zufrieden".

Es gibt eine Kluft zwischen Ost und West und zwischen gut und schlecht gebildet

Es handle sich hier um "strukturell verfestigte" Probleme, sagte Familienministerin Schwesig bei der Studienpräsentation. "Wenn Frauen alles machen, hat das nichts mit Gleichberechtigung zu tun." Umfragen unter jüngeren Menschen zeigten, dass diese sich Haushalt und Kindererziehung gern fair aufteilen würden, bei der Entscheidung aber "ganz stark auf das Einkommen schauen" würden. Solange Frauen weniger verdienten, würde sich weder bei der Hausarbeit noch bei der Altersarmut von Frauen etwas ändern, sagte Schwesig und nutzte die Gelegenheit, um für eine Familienarbeitszeit und für ihr Lohngleichheitsgesetz zu werben.

Generell zeigte sich Schwesig zufrieden mit den Ergebnissen der Studie: "Menschen in der zweiten Lebenshälfte sind heute aktiver und zufriedener als vor 20 Jahren und sehen zuversichtlicher in die Zukunft." So bewerteten neun von zehn Befragten ihre Wohnsituation als gut, 85 Prozent aller Erwerbstätigen sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Obwohl der Anteil der Verheirateten sinkt, fühlen sich heute etwas weniger Menschen einsam als früher; Freundschaften haben an Bedeutung gewonnen. Die Zahl der Menschen, die sportlich aktiv sind, steigt in allen Altersgruppen - selbst unter den 78- bis 83-Jährigen macht heute ein Drittel regelmäßig Sport. Auch ehrenamtliche Arbeit wird beliebter: Engagierten sich 1996 noch zwölf Prozent der Befragten ehrenamtlich, waren es 2014 - noch vor der Ankunft Hunderttausender Flüchtlinge - bereits 22 Prozent.

Allerdings zeigte sich in vielen Bereichen eine tiefe Kluft zwischen Männern und Frauen, zwischen Ost und West, und vor allem zwischen gut und schlecht Gebildeten. So sind in Westdeutschland elf Prozent der Befragten armutsgefährdet, im Osten 17,5 Prozent. Und 79 Prozent der Befragten mit hoher Bildung, aber nur 46 Prozent derer mit niedriger Bildung sind "funktional gesund", leiden also im Alltag nicht unter gesundheitlichen Einschränkungen.

Im Langzeitvergleich zeigt sich, dass die Menschen heute länger arbeiten und später in Rente gehen als früher: Die Zahl der 60- bis 65-Jährigen, die noch erwerbstätig sind, hat sich seit 1996 mehr als verdoppelt, auf nun 39 Prozent. Zugleich schaffen es deutlich weniger Menschen, bis zum Renteneintritt im Beruf zu bleiben. 15,5 Prozent der 66- bis 71-Jährigen waren unmittelbar vor der Rente arbeitslos gewesen, das sind viermal so viele wie 1996.

Für den Deutschen Alterssurvey, der seit 1996 alle paar Jahre durchgeführt wird, wurden von April bis November 2014 etwa 6000 Menschen zwischen 40 und 85 Jahren befragt.