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Akkreditierung:Kampf um die drei Kronen

Was Business Schools leisten müssen, um die Gütesiegel der Agenturen AACSB, AMBA und EFMD zu erhalten.

Von Benjamin Haerdle

Für viele Business Schools ist es die Krönung: Die sogenannte "Triple Crown". Sie schmücken sich damit, wenn ihre Einrichtung und damit die von ihnen angeboten MBA- und Executive-MBA-Ausbildung hervorragende Lehre und Forschung bietet, und dies von den drei wichtigsten internationalen Akkreditierungseinrichtungen anerkannt wird: Diese sind die AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business), die AMBA (Association of MBAs) und die Brüsseler Akkreditierungseinrichtung EFMD. Insgesamt 88 von mehr als circa 10 000 Business Schools rund den Globus können diese dreifache Akkreditierung vorweisen, also weniger als ein Prozent. Drei dieser Schulen befinden sich in Deutschland: Die School of Management der Technischen Universität München (TUM), die Mannheim Business School und die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin.

"Jede der drei Akkreditierungen hat einen unterschiedlichen Fokus, aber gemeinsam helfen sie uns, Defizite in Lehre, Forschung und Verwaltung abzubauen", sagt Gunther Friedl, Dekan an der TUM-Wirtschaftsfakultät und Professor für Betriebswirtschaftslehre. Die Münchner Einrichtung darf den Titel der "Triple Crown" führen, seitdem sie im Vorjahr mit dem AACSB-Siegel die dritte bislang noch fehlende Auszeichnung erhielt.

Die Studienprogramme der Business Schools in Deutschland sind zum Teil auch national akkreditiert, doch die Qualitätssicherung auf nationaler Ebene reicht den Einrichtungen oft nicht aus, prüft sie doch eher formale Kriterien wie die Anzahl der ECTS-Punkte pro Semester. "Die TUM School of Management ist international ausgerichtet, deswegen ist für uns die internationale Akkreditierung wichtiger", sagt Friedl. Diese ist freiwillig und der Fokus ganz unterschiedlich. "Bei AACSB wird die gesamte Business School akkreditiert, und es geht im Kern um die Frage, welche Mission sich die eigene Einrichtung gegeben hat, und ob man die notwendigen Strukturen hat, um sie zu erfüllen", erklärt Friedl. So hat sich die TUM beispielsweise unter der Überschrift "Wir investieren in Talente. Erkenntnis ist unser Gewinn" ein aus acht Punkten bestehendes Leitbild gegeben. Darin orientiert sich die Uni beispielsweise an den besten internationalen Standards, verpflichtet sich der Weltoffenheit und der Toleranz und bekennt sich zu unternehmerischem Denken und Handeln.

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Illustration: Stefan Dimitrov

Im Unterschied dazu gelte das Siegel EQUIS (EFMD Quality Improvement System) der EFMD als stark strategiefokussiert, da die Leistungen der Hochschulen und insbesondere deren internationale Ausrichtung sehr genau unter die Lupe genommen würden. Beide Akkreditierungsorganisationen bewerten die gesamte Einrichtung. Im Unterschied dazu evaluiert die AMBA nur die Qualität einzelner MBA- und Executive MBA-Programme und untersucht dabei etwa, wie es um die Qualifikation der einzelnen Studierenden bestellt ist, oder wie international die Studiengänge mit Studierenden und Wissenschaftlern besetzt sind. "AMBA hat uns sehr geholfen, unsere MBA-Programme zu vereinheitlichen und zu internationalisieren", sagt Friedl.

Die dreifache Zertifizierung hat ihren Preis. Mit umgerechnet circa 86 000 Euro müsse man rechnen, heißt es auf der Online-Plattform MBA Today im Hinblick auf die Akkreditierungskosten. Dazu kommen jährliche Mitgliedsbeiträge von insgesamt etwa 13 000 Euro. Drei bis fünf Jahre sind diese Zertifikate gültig, danach werden die Einrichtungen reakkreditiert.

Auch kleinere Anbieter entscheiden sich bewusst für diese Art des Qualitätschecks

Doch für Business-Schools wie die Mannheim Business School, die im Jahr 2008 als erste deutsche Einrichtung die Triple Crown errang und für das Thema Akkreditierung eigens einen Mitarbeiter eingestellt hat, sind die Ausgaben für Qualitätssicherung gut investiertes Geld, um sich auf internationalen Märkten für Studenten, Wissenschaftler und Hochschulkooperationen interessant zu machen. "Die Triple Crown ist für uns wichtig, weil wir in anderen Regionen der Welt wie den USA oder Asien stärker wahrgenommen werden wollen", sagt Fakultätsgeschäftsführer Ingo Bayer. Für viele MBA-Interessenten im Ausland sei beispielsweise die AMBA-Akkreditierung ein wesentlicher Grund dafür, sich in Mannheim zu bewerben. Ähnlich attraktiv ist ein solches Gütesiegel auch für Wissenschaftler. "In den USA gilt die AACSB-Akkreditierung als Mindeststandard. Wer das nicht vorweisen kann, ist als möglicher Arbeitgeber nicht interessant", sagt Liane Weitert, Kommunikationsleiterin der BWL-Fakultät. Wichtig ist die Dreifachakkreditierung vor allem für die Kooperation mit anderen Business Schools, etwa, um gemeinsame Studienprogramme aufzubauen, Austauschmöglichkeiten für Studenten anzubieten oder die Teilnahme an Summer Schools zu ermöglichen. "Wenn internationale Schulen sehen, dass wir dreifach akkreditiert sind, ist das ein starkes Argument für eine Zusammenarbeit", sagt sie. So habe die Mannheimer BWL-Fakultät seit 2008 die Zahl der Partnerschulen von circa 100 auf mehr als 200 verdoppelt. Mannheimer Studierende, die beispielsweise in den USA an einer Partnerschule ihren Auslandsaufenthalt absolvierten, zahlten dort keine Studiengebühren. "Das ist ungewöhnlich und ein wichtiges Signal. Unsere Partner verzichten damit auf viel Geld, um im Gegenzug einen Studierenden zu uns schicken zu können", sagt Weitert.

Doch um die internationalen Zertifikate zu bekommen, müssen die Business Schools einiges auf sich nehmen, angefangen von aufwändigen Berichten, dem Vor-Ort-Besuch der Gutachter bis hin zur Umsetzung der eigentlichen Vorgaben der Akkreditierungs-Einrichtungen, nämlich ein qualitativ hochwertiges Studium anzubieten. Große Business Schools tun sich mit diesen personellen und finanziellen Anforderungen oft leichter als die kleineren, aber es gibt auch Ausnahmen. Die Pforzheim Business School ist nicht Triple-Crown-gekrönt, jedoch die einzige Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland, die sich für eine AACSB-Akkreditierung entschieden hat. Im Jahr 2011 wurde sie erstmals akkreditiert. "Für eine systematische und zukunftsorientierte Qualitätsverbesserung in Lehre und angewandter Forschung sind unheimliche Lernprozesse notwendig, für die wir parallel zum Lehrbetrieb enorme Ressourcen stemmen müssen", sagt Thomas Cleff, Dekan der Pforzheim Business School. Dies sei kein Sprint, sondern eher ein Marathon, um neue Denkweisen in der Qualitätssicherung umzusetzen. Doch der Qualitätscheck hat sich für die Business School in Baden gelohnt. "Seitdem wir AACSB-akkreditiert sind, haben wir Partner-Business-Schools gewinnen können, mit denen wir vorher nicht im Traum gerechnet hatten", sagt Cleff. Und auch bei den internationalen Teilnehmern spiele das Siegel eine große Rolle. "80 Prozent unserer Studierenden im internationalen MBA kommen aus dem Ausland, für die ist die Akkreditierung ein klares Argument für Pforzheim", sagt er. Auch deswegen entschied sich die Hochschule dafür, sich reakkreditieren zu lassen. Seit dem April des Vorjahres darf sie für weitere fünf Jahre mit dem AACSB-Zertifikat werben.

© SZ vom 19.10.2018
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