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Afghanistan:Skandal-Fotos stammen von bayerischer Einheit

Bei den deutschen Soldaten, die in Afghanistan einen Toten geschändet haben, handelt es sich nach Informationen von sueddeutsche.de um Gebirgsjäger.

Philip Auf und Oliver Das Gupta

Die in der Bild-Zeitung abgebildeten Männer stammen entweder aus den Standorten Mittenwald oder Bad Reichenhall.

Wie ein Offizier sueddeutsche.de bestätigte, vermutet die Bundeswehr ebenfalls, dass die Soldaten der Gebirgstruppe angehören.

Auch optisch weist vieles auf die in Bayern stationierten Einheiten hin: Die grünen Bänder an den Schulterklappen, die "Wiesel"-Panzer und vor allem die Bergstiefel, die auf mindestens zwei der Fotos zu sehen sind.

Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, sagte in einem Interview mit sueddeutsche.de: "Es kann durchaus sein, dass Sie nicht falsch vermuten."

Die Bild-Zeitung schreibt in ihrem Bericht, dass die Fotos im Frühjahr 2003 entstanden sind. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung taten in dieser Zeit 250 Soldaten des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233 Dienst in der Isaf-Truppe in Afghanistan.

Laut Lars Bessel, Chefredakteur des unabhängigen Bundeswehrportals truppen.info, waren Gebirgsjäger währenddessen im Raum Kabul eingesetzt. Dort sollen auch die Fotos entstanden sein.

Die Bundeswehr geht inzwischen zwei konkreten Verdachtsfällen nach. "Einer ist noch Soldat, einer ist nicht mehr Soldat", sagte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan.

"Beide werden im Moment verhört." Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen einen Mannschaftsdienstgrad der Reserve, ein Kompaniechef höre einen Stabsunteroffizier an.

Laut Schneiderhan hat sich ein Soldat, der in der mutmaßlichen Zeit dort im Einsatz war, gemeldet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte eine rasche und konsequente Aufklärung zu. "Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz."

Obszöne Gesten

Die Bild-Zeitung hatte fünf Fotos veröffentlicht, die deutsche Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe in Tarnanzügen auf einer Patrouillenfahrt zeigen. Sie präsentieren dabei mit zum Teil obszönen Gesten einen Totenschädel.

Die Ermittlungen liefen "auf Hochtouren", sagte Jung. Ein solches Verhalten deutscher Soldaten dürfe unter keinen Umständen geduldet werden. "Die Bilder erzeugen, wie ich finde, Abscheu und Entsetzen."

Die Bundesregierung bat die Bild-Zeitung, die Fotos ohne verdeckte Gesichter zur Verfügung zu stellen. Der Generalinspekteur sprach von einem nicht akzeptablen Verhalten, warnte aber vor einem "Pauschalangriff" gegen die innere Führung. "Wir sind nicht davor gefeit, dass Einzelne trotzdem sich in ganz besonderen Situationen fehl verhalten."

© sueddeutsche.de/dpa
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