Ökumene:Sieg des Kleinmuts

Die katholischen Bischöfe wollen die Eucharistie nicht öffnen.

Von Matthias Drobinski

Man sollte den Christen jene Einheit nicht wünschen, die der Katholik und scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert fordert: eine Einheit, die Tradition und Theologie von Katholiken und Protestanten ignoriert; eine Einheit, in der Verschiedenes nicht verschieden sein darf. Lammerts brennende Ungeduld teilen viele Christen in Deutschland.

Tatsächlich eint die beiden Kirchen mehr, als sie trennt. Noch nie waren sich Katholiken und Protestanten so nah wie in diesem Reformationsjahr 2017. Sie haben ein gemeinsames Christusfest gefeiert; vor zehn Jahren hätte man das noch für eine nette Utopie gehalten. Sie sollten aber nicht uniform werden, sondern einander Herausforderung bleiben. Welchen Wert hätte eine Ökumene, in der die Katholiken den Papst drangeben und die Protestanten das Priestertum der Frau? Versöhnt, aber verschieden zu sein, ist keine schlechte Vision in einer pluralen Welt.

Und doch könnte dieses Jahr ohne konkrete Annäherung zu Ende gehen. Der Vorschlag zum Beispiel, in katholisch-evangelischen Ehen den evangelischen Partner zur katholischen Eucharistie einzuladen, droht an den katholischen Bischöfen zu scheitern. Käme es so, wäre klar: Wenn es den Mut bräuchte, die institutionelle Selbstgewissheit in Frage zu stellen, siegt der Kleinmut. Und all die Predigten über Einheit im Land hätten mehr als nur einen Schönheitsfehler.

© SZ vom 18.09.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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