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US-Universität Harvard:Bucheinband aus Menschenhaut

Nicht Schaf, nicht Rind, nicht Ziege: Wissenschaftler haben bestätigt, dass ein Buch in der Bibliothek der Harvard University in Menschenhaut eingebunden ist. Was makaber klingt, sollte anscheinend eine Würdigung darstellen.

Gute Nachrichten für "Büchernarren und Kannibalen gleichermaßen", verkündet eine Bibliothek der Elite-Universität Harvard auf ihrem Blog und beweist so Humor angesichts einer makabren Situation: Wissenschaftler haben bestätigt, dass der Einband eines ihrer Bücher aus Menschenhaut gefertigt ist.

Dass die Houghton Library, wo traditionell seltene Bücher und Manuskripte aufbewahrt werden, ein eher verstörendes Beispiel kreativer Buchkunst vorzuweisen hat, vermuteten die Verantwortlichen bereits im vergangenen Jahr. Zahlreiche Tests haben nun belegt: Mit "99,9-prozentiger Sicherheit" bestehe der Einband aus menschlicher Oberhaut, teilte einer der beauftragten Wissenschaftler mit. Dass der Überzug aus tierischen Materialen gefertigt ist, etwa aus Rind, Schaf oder Ziege, wurde mittels verschiedener Methoden ausgeschlossen.

Damit ist der naturwissenschaftliche Beweis geliefert für die historischen Hintergründe, die bereits 2013 bekannt waren: Das betreffende Buch trägt den Titel "Des destinées de l'âme", stammt aus der Feder des französischen Autors Arsène Houssaye und enthält Überlegungen zur menschlichen Seele und dem Leben nach dem Tod. Houssaye soll das Buch in den 1880er Jahren seinem Freund Ludovic Bouland, seinerseits Arzt und bibliophil, geschenkt haben. Dieser bescherte dem Titel seinen für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen Einband: Er verwendete dafür die Haut einer weiblichen Patientin, die an einem Schlaganfall gestorben war.

Der Mediziner soll auch eine Notiz in dem Buch hinterlassen haben, in der er seine Motivation erklärt: "Ein Buch über die menschliche Seele verdient einen menschlichen Überzug", heißt es dort. Außerdem: "Durch genaues Hinsehen lassen sich leicht die Poren der Haut erkennen."

Was heute abstoßend anmuten mag, war im 16. Jahrhundert noch zumindest teilweise üblich. Oft sollte ein menschlicher Einband etwa an ein verstorbenes Familienmitglied erinnern, teilte die Harvard University mit. Manchmal wurden auch die Geständnisse von verurteilten Kriminellen in deren eigener Haut eingebunden.

© soli/ipfa
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