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Urteil im Fall Mirco:Ein Verbrechen, das unfassbar bleibt

Olaf H. muss den Mord an dem zehnjährigen Mirco mit mindestens 15 Jahren Haft sühnen. Doch der Vorsitzende Richter räumt ein, dass er das Motiv des Täters nicht ergründen konnte. Denn der Kindsmörder trug wenig zur Aufklärung bei.

Lebenslang. An eine geringere Strafe wollte zuletzt nicht einmal die Verteidigung glauben, sondern nur verhindern, dass eine besondere Schwere der Tat festgestellt wird. Aber Richter Herbert Luczak folgte nicht dieser Forderung, als er Olaf H. für den Mord an dem zehnjährigen Mirco aus Grefrath verurteilte. Damit ist eine Entlassung des früheren Managers aus Schwalmtal, der zuvor als unbescholtener Familienvater lebte, nach 15 Jahren Haft so gut wie ausgeschlossen.

Juristisch ist nun der Mord an jenem Jungen geklärt, der am Abend des 3. September 2010 in Grefrath verschwand, der später von Hundertschaften der Polizei gesucht wurde und dessen Leiche erst gefunden wurde, als der Täter gestand.

Aber die zentrale Frage bleibt offen: Was trieb den Angeklagten zu einer derartigen Tat? Olaf H. schwieg im Laufe des Prozesses. Und wenn er während der Ermittlungen der Polizei redete, blieben seine Aussagen lückenhaft und führten oft in die Irre. Zahlreiche Versionen zum Tatablauf hatte er schon vor Prozessbeginn vorgetragen.

Der Angeklagte habe Mirco "entführt, missbraucht und ermordet", sagte nun der Vorsitzende Richter Herbert Luczak. Aber wie es zu der Tat kommen konnte, habe sich in der Verhandlung nicht verlässlich klären lassen.

Im Gerichtssaal in Krefeld starrte Olaf H. zumeist vor sich hin. Der psychiatrische Gutachter Martin Albrecht führte aus, Olaf H. sei ein freundlicher Mensch gewesen in den fünf Gesprächen, die er mit ihm führte. Aber er habe sich "ganz erheblich gegen Aufklärungsbemühungen und Persönlichkeitsdiagnostik gewehrt". Er beschrieb ihn als "psychisch gesunde Normalperson" und voll schuldfähig, als "hochbegabten Menschen" mit einem Intelligenzquotienten von 136, der sich sozial unauffällig bewegte, drei Ehen "hinter sich brachte" und seinen drei Kindern ein liebevoller Vater gewesen sei. "Er ist kein pädophiler Mensch", sagte Gutachter Albrecht, auch wenn man dies vermuten könnte. Doch die wenigsten Pädophilen würden eine derartige Gewalt anwenden.

Der Angeklagte passe ins Schema des sadistischen Täters, der quält, um seine Macht zu beweisen. "Das Gefühl, über einen anderen total verfügen zu können. Das Auskosten der Ohnmacht des Opfers", sagte der Gutachter. Dem folgte nun das Gericht.

Ex-Frauen charakterisieren Olaf H. als besonnen

Dass er seinen Charakter verbergen konnte, zeigte sie auch daran, wie sich Olaf H. nach der Tat verhielt. Er muss den dramatischen Appell von Mircos Eltern kurz nach der Tat im September 2010 gesehen haben, als sie sich im Fernsehen an ihn wandten. Die Mutter sagte, sie mache sich Gedanken, ob Mirco friere, hungrig sei, Schmerzen habe und nach ihr rufe. "Gib uns bitte unser Kind zurück oder sage, wo wir Mirco finden können." Weitere fünf Monate konnte Olaf H. die Schuld von sich wegdrücken, weiterhin so leben, dass er nicht auffiel. Die drei Ex-Ehefrauen von Olaf H. schilderten ihn im Prozess übereinstimmend als friedfertig, ruhig und besonnen.

Als besonders perfide wurde zuletzt wahrgenommen, dass er noch während des Prozesses beruflichen Stress als Motiv für seine Tat anführte und so seinem Vorgesetzen indirekt eine Mitschuld an dem Verbrechen gab.

Sein Schlusswort verfasste er Anfang dieser Woche schriftlich: "Mir ist bewusst, was für eine schreckliche Tat ich begangen habe. Ich erwarte keine Vergebung." Und weiter: "Ich habe noch keine Antwort gefunden, und deshalb schweige ich."