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Uniklinikum Leipzig:30 Tote nach Keimbefall

Es ist der gößte bekannte Ausbruch dieser Art: Im Leipziger Universitätsklinikum haben sich in den vergangenen zwei Jahren 63 Menschen mit einem multiresistenten Erreger infiziert. Wie jetzt bekannt wurde, ist knapp die Hälfte dieser Patienten gestorben.

Gegen ebenso hartnäckige wie lebensgefährliche Bakterien kämpft nicht nur die Frühchenstation des Klinikums Bremen-Mitte an. Auch am Universitätsklinikum Leipzig versuchen Ärzte schon seit längerem, einen gegen viele Antibiotika resistenten Keim namens KPC (Carbapenemase-bildende Klebsiella pneumoniae) von ihren Stationen zu verbannen - bislang erfolglos. 63 Patienten haben sich in den vergangenen zwei Jahren an dem Leipziger Klinikum mit dem Bakterium infiziert, bei dem es sich um einen Erreger der Lungenentzündung handelt. Zuletzt steckten sich Ende Mai zwei Patienten an. Nun wurde bekannt: Fast jeder zweite der insgesamt 63 Betroffenen ist inzwischen gestorben.

Es sei nunmehr eine "gründliche Aufarbeitung aller Daten" erfolgt, erklärte der Medizinische Vorstand des Klinikums, Wolfgang Fleig. Diese hätte ergeben, "dass 30 Patienten, bei denen KPC nachgewiesen wurde, in der Zwischenzeit verstorben sind". Es sei aber unklar, wie viele Sterbefälle direkt auf den Keim zurückzuführen seien, so Fleig. Ein Expertenteam unter Beteiligung des Robert-Koch-Instituts nehme diese Fälle nun noch einmal kritisch unter die Lupe.

Ein KPC-Ausbruch dieser Größenordnung ist nach Angaben von Experten in Deutschland bisher nicht bekannt geworden. In der vergangenen Woche hatte das Uniklinikum erstmals eingeräumt, dass sich dort auffällig viele Patienten mit KPC-Keimen infiziert hatten, gegen die gängige Antibiotika nicht mehr wirken. Eingeschleppt wurden die Erreger nach Erkenntnissen der Klinikleitung 2010 von einem deutschen Patienten, der auf Rhodos im Krankenhaus gewesen war. Er litt an einer Lungenentzündung und ist daran gestorben.

Schon seit längerem versucht das Leipziger Klinikum, Herr der Lage zu werden. Die Gegenmaßnahmen seien kontinuierlich verstärkt worden, sagte eine Sprecherin. Trotzdem gab es weitere Fälle - auch acht in diesem Jahr. Nun sollen die Maßnahmen weiter verschärft werden. So würden von sofort an "alle auf die Intensivstationen und über die Notaufnahme aufgenommenen Patienten bereits bei Aufnahme auf KPC untersucht". Bis eine Infektion ausgeschlossen sei, blieben die Patienten isoliert.

20 Prozent aller Staphylokokken, Klebsiellen und Coli-Bakterien resistent

Auf ähnliche Weise gehen niederländische Kliniken seit Jahren gegen die Ausbreitung multiresistenter Keime vor. In dem Land sind solche Erreger erheblich weniger verbreitet als in Deutschland, wo mittlerweile zwischen 15 und 20 Prozent der Staphylokokken, Klebsiellen und Coli-Bakterien zu resistenten Typen mutiert sind. Bei KPC handelt es sich um einen Abkömmling der an sich harmlosen Klebsiella pneumoniae, die bei allen Menschen in Darmflora und Mund vorkommt. Allerdings hat der Keim ein Enzym namens Carbapenemase erworben, mit dem er Antibiotika unwirksam machen kann.

Multiresistente Keime gab es schon immer, doch in den vergangenen Jahren ist ihre Zahl drastisch gestiegen. Dies liege daran, dass Ärzte zu häufig und zu unspezifisch Antibiotika verschreiben, beklagt Elisabeth Meyer, die sich an der Berliner Charité mit der Überwachung multiresistenter Erreger beschäftigt. Auch der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht gilt als eine Ursache des Problems. "Wenn solche Keime in der Nase herumgetragen werden, macht das nichts", sagte Meyer. "Aber sobald sie Infektionen von Harnwegen oder Lunge auslösen, können sie lebensgefährlich werden."