bedeckt München 24°

Tod eines Flüchtlingskindes in Hannover:Ärztlicher Direktor weist Vorwürfe zurück

Mitarbeiter einer Kinderklinik in Hannover sollen eine aus Ghana stammende Mutter mit ihrem kranken Säugling abgewiesen haben. Das Baby starb, die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Jetzt wehrt sich der Ärztliche Direktor gegen die Vorwürfe.

PK zum Tod eines Flüchtlingskinds

Der Ärztliche Direktor der Kinderklinik Auf der Bult weist die Vorwürfe um den Tod des Säuglings zurück.

(Foto: dpa)

Das hannoversche Kinderkrankenhaus Auf der Bult wehrt sich nach dem Tod eines Flüchtlingsbabys gegen die Vorwürfe der Mutter. "Wir haben die junge Mutter mit dem Jungen in unserer Notfallambulanz nicht abgewiesen", sagte der Ärztliche Direktor der Klinik Thomas Beushausen. "Die Mitarbeiter haben sich korrekt und gemäß den professionellen Standards verhalten."

Er widerspricht damit den Aussagen der Mutter des Säuglings. Sie sei am 10. April mit ihrem Baby Joshua in die Klinik gekommen, weil es keine Nahrung mehr zu sich nehmen wollte, sagte ihr Anwalt, Matthias Waldraff, zu Süddeutsche.de. Am Empfangstresen habe sie ihr Kinderuntersuchungsheft vorzeigen wollen, sei jedoch abgewiesen worden. Obwohl der Junge einige Wochen zuvor in der Klinik behandelt worden war.

Die Mutter setzte sich daraufhin in einen Bus und fuhr zu ihrer Kinderärztin, die sofort einen Krankenwagen anforderte. Nach Angaben Waldraffs starb das Kind nur eine Stunde, nachdem die Mutter in der Notaufnahme des Krankenhauses um Hilfe gebeten hatte.

Die Verständigung sei schwierig gewesen, sagt die Klinik

Der Ärztliche Direktor weist das zurück. Zwei Mitarbeiterinnen der Klinik hätten an diesem Tag sehr wohl mit dem Aufnahmeprozess für das Kind begonnen, sagt Beushausen. Sie hätten der Mutter die entsprechenden Papiere zur Behandlung ausgehändigt. Allerdings sei die Verständigung sehr schwierig gewesen, da die Mutter des Kindes nach Angaben der Klinikmitarbeiterinnen kein deutsch und nur schlecht englisch sprach.

Laut Beushausen konnte die Frau auch einen Berechtigungsschein des Sozialamtes für eine Arztbehandlung vorlegen. "Damit waren alle Voraussetzungen für eine Kostenübernahme gegeben. Unabhängig davon, dass generell in unserer Klinik keine Kinder abgewiesen werden, gab es auch in soweit keinen Grund, das Kind nicht zu behandeln."

Man habe die Mutter von Joshua mit ihrem Kind in der Notaufnahme wie jede andere Patientenmutter auch behandelt. Das Prozedere sei standardisiert. Die Mitarbeiter würden permanent zu diesen Abläufen geschult. "Die Mitarbeiter haben sich korrekt und gemäß den professionellen Standards verhalten", versicherte Beushausen.

Während die Mutter von Joshua am Empfangstresen wartete, ging nach Klinikangaben ein telefonischer Notruf ein, den die zuständige Mitarbeiterin habe annehmen müssen. Sie habe deshalb Joshuas Mutter gebeten zu warten, die andere Klinikmitarbeiterin sei weiterhin mit der Aufnahme anderer Patienten beschäftigt gewesen.

Als die Mitarbeiterin den Notanruf beantwortet hatte, sei sie zurückgekehrt an den Tresen, aber die Mutter sei nicht mehr da gewesen. Beushausen sagt: "Wir wissen nicht, warum die Mutter gegangen ist und können es uns auch nicht erklären: Denn das Anmeldeverfahren war fast abgeschlossen, die Untersuchung des Kindes stand unmittelbar bevor."

Wie am Mittwoch bekannt geworden war, ermittelt inzwischen die Kriminalpolizei in dem Fall. Die Eltern des Kindes haben Strafanzeige gegen das Kinderkrankenhaus gestellt. "Es besteht der Verdacht eines Totschlags durch Unterlassen", sagte Waldorff.

Der Säugling wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft bereits am Montag obduziert. Die Ergebnisse sollen nach Ostern vorliegen.

© Süddeutsche.de/dpa/ina/feko
Zur SZ-Startseite