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Tankerunglück in Hamburg:Kapitän hatte 2,1 Promille

Die Bergung des mit Schwefelsäure beladenen Havaristen "EnaII" im Hamburger Hafen bleibt riskant. Nach wie vor ist das Unglück, das sich am Montagabend auf der Elbe ereignete, keine große Katastrophe. Aber nach wie vor könnte eine daraus werden.

Hamburg - "Wie ein rohes Ei", sagte der Feuerwehr-Pressesprecher Peter Braun, müssten die Bergungsfachleute die Ena II behandeln. Ein ziemlich großes Ei ist es, das da im Hamburger Petroleumhafen liegt: 62,5 Meter lang, 9,5 Meter breit, und es riecht schlecht.

Kieloben liegt der Tanker im Hafenbecken.

(Foto: Foto: ddp)

Noch immer muss der Tanker Ena II permanent mit Wasser besprüht werden, um die ätzenden Schwefelsäure-Dämpfe zu binden, die durch das Lüftungssystem der Tanks an Bord austreten. Nach wie vor ist das Unglück, das sich am Montagabend auf der Elbe ereignete, keine große Katastrophe. Aber nach wie vor könnte eine daraus werden.

Der 36-jährige Schiffsführer Mike K. stand auf der Brücke der Ena II, die in Diensten der Norddeutschen Affinerie (NA) drei- bis viermal täglich Schwefelsäure vom NA-Gelände zum Petroleumhafen transportierte. Etwa 500 Meter vor seinem Ziel kollidierte der Tanker mit einem fast fünfmal größeren Containerschiff. Zeugen beobachteten von der nahen Elbchaussee aus den Unfall, eine Schülerin fotografierte den Hergang sogar.

Sie stellte die Bilder der Wasserschutzpolizei ebenso zur Verfügung wie dem Hamburger Abendblatt. Man sieht darauf, wie die Ena II unter der riesigen Pudong Senator förmlich zu verschwinden scheint, wie das Tankschiff dann voll Wasser läuft, schließlich wenige Meter vor der Anlegestelle kentert.

Mike K. roch nach dem Unfall stark nach Alkohol, heißt es in den Medien der Hansestadt; manche nennen ihn "Käptn Blau". Weil er einen Alkoholtest verweigerte, ordnete die Wasserschutzpolizei eine Blutprobe bei K. an. Deren Ergebnis ergab am Mittwochnachmittag: 2,1 Promille.

Der Hamburger Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger kündigte an, dass gegen den Mann nun wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs und Gewässerverunreinigung ermittelt werde.

Obwohl die Tanks in dem doppelhülligen Schiff unversehrt blieben, droht dem Hamburger Hafen weiterhin eine Umweltkatastrophe, falls das havarierte Schiff bei der Bergung auseinander bräche oder einer der vier, mit jeweils 125 Kubikmeter Schwefelsäure - insgesamt 500000 Liter - beladenen Tanks reißen würde. "Ein hohes Restrisiko", stellte Feuerwehrsprecher Braun fest. Die Bergung der Ena II verzögerte sich am Mittwoch deshalb.

Zunächst soll der Unglücksdampfer mit Trossen abgesichert werden, "damit es wie in einer Hängematte liegt", erklärte Feuerwehrmann Braun. Ein Erkundungstaucher prüfte zu diesem Zweck, wo die Trossen am besten angebracht werden könnten. Erst, wenn die Ena II in eine stabile Lage gebracht worden ist, können die Tanks abgepumpt werden. Das vollbeladene Schiff zu drehen und zu heben, wäre zu gefährlich. Die Bergung, hieß es bei der Feuerwehr, könne Tage dauern.

Vertreter von Greenpeace beobachteten die Bergungsarbeiten und lobten das Team ausdrücklich für sein umsichtiges Vorgehen. Durch die Schwefelsäure, die direkt nach dem Unglück ausgetreten war, hatten neun Hafenarbeiter und zwei Feuerwehrleute Verätzungen der Atemwege erlitten; ihnen geht es wieder besser. Greenpeace gab an, etwa 1000 Fische seien im Hafenbecken verendet. Am Mittwoch waren in der Umgebung des Schiffes keine auffälligen Werte mehr gemessen worden. Trotzdem sollten Firmen im Umkreis von 1000 Metern alle Fenster geschlossen halten, so lange an der Ena II gearbeitet würde.

Die Polizei geht weiter davon aus, dass Mike K. den Unfall verursacht hat. Dem Hamburger Abendblatt zufolge war K. bei einem früheren Arbeitgeber schon einmal wegen Alkohols von der Brücke entfernt worden.