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Täglich 71 Kinder in Obhut:Vernachlässigung steigt

Täglich nehmen die Jugendämter in Deutschland 71 Kinder in Obhut. Überforderung der Eltern, Misshandlung und Vernachlässigung sind die Hauptgründe.

In Deutschland werden laut Statistik jeden Tag 71 Kinder und Jugendliche von den Behörden in Obhut genommen. Allein im vergangenen Jahr waren es bundesweit 25.800 Fälle, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Kinder auf dem Nachhauseweg von der Schule (Archivbild)

(Foto: Foto: AP)

Hauptgründe waren eine Überforderung der Eltern sowie Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung der Kinder. Die Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 400 Fälle oder zwei Prozent.

Eine Inobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, wenn sie sich in einer akuten, sie gefährdenden Situation befinden. Jugendämter nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative Anderer (etwa der Polizei oder Erzieher) in Obhut und bringen sie - meist für Stunden oder einige Tage - in einer geeigneten Einrichtung unter, etwa in einem Heim.

Im einzelnen wurden 7.100 Kinder und Jugendliche oder 28 Prozent auf eigenen Wunsch in Obhut genommen, bei den Übrigen veranlassten andere Personen oder Stellen die Inobhutnahme. 59 Prozent der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen waren älter als 14 Jahre, und bei 55 Prozent aller Betroffenen handelte es sich um Mädchen.

An einem jugendgefährdenden Ort, zum Beispiel in Straßen mit Bordellbetrieb oder an Treffpunkten von Drogenhändlern, wurden rund 10 Prozent der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen aufgegriffen.

Anlass für die Inobhutnahme waren in 23 Prozent der Fälle Vernachlässigung und Anzeichen für Misshandlung oder sexuellen Missbrauch. Am häufigsten, nämlich in 42 Prozent der Fälle, lag eine Überforderung der Eltern vor. Weitere Anlässe bildeten Beziehungsprobleme (26 Prozent aller Fälle),

Integrationsprobleme im Heim oder in der Pflegefamilie (7 Prozent), Kriminalität (7 Prozent), Probleme in der Schule (6 Prozent) und Suchtprobleme (3 Prozent).

© AP