Studien:Angeblich heimliche Medikamententests an Uni-Klinik

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Ärzte am Gießener Universitätsklinikum sollen über Jahre hinweg Medikamente an Patienten gegeben haben, ohne diese darüber zu informieren, dass es sich dabei um Tests handelte. Die Mittel, so die Staatsanwaltschaft, waren möglicherweise für die Heilbehandlung "nicht angezeigt".

Daher hat die Staatsanwaltschaft Gießen am Mittwoch 23 Kliniken und Ärztewohnungen in ganz Deutschland durchsuchen lassen, wie Oberstaatsanwalt Volker Kramer berichtete.

Er bestätigte einen Bericht des Hessischen Rundfunks. "Es geht um Vorwürfe, dass Medikamente zugeführt wurden, die im Rahmen der Heilbehandlung nicht angezeigt waren", sagte Kramer.

Die Daten sollen für Promotionen und Habilitationen verwendet worden sein. Die Anklagebehörde ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung.

Das Uniklinikum war am Mittwoch für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. "Neun bis zehn" Ärzte stehen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft unter dem Verdacht, sich an den Studien beteiligt zu haben.

Wie viele Patienten betroffen sind, sei bisher nicht bekannt, sagte Kramer. Auch um welche Medikamente es sich handelt, könne er nicht sagen. "Wir müssen die sichergestellten Unterlagen erst mit einem medizinischen Sachverständigen durchlesen."

Wohnungen und Krankenhäuser seien unter anderem in Gießen, Köln, Rosenheim und Hannover durchsucht worden.

Bereits im März war bekannt geworden, dass die Behörde gegen einen Gießener Chefarzt wegen medizinischen Untersuchungsreihen an Patienten ermittelt.

Diese Vorwürfe sind zum größten Teil verjährt. Ein ehemals in der Abteilung des Chefarztes beschäftigter Arzt hatte den Vorwurf erhoben, bei Versuchsreihen sei es zu Zwischenfällen gekommen; ein Patient sei nach einer Operation an Blutungen gestorben.

Die aktuellen Ermittlungen reichen nach Kramers Darstellung fünf Jahre zurück - das ist die Verjährungsfrist für Körperverletzung. Das bereits laufende Verfahren gegen den Chefarzt werde damit auf Grund von Zeugenaussagen "erheblich ausgeweitet". Gegen ihn wird auch wegen Abrechnungsbetrugs in Millionenhöhe ermittelt.

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