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Schmuggelware:Seepferdchen-Pulver als Medizin

Zoll beschlagnahmt Tierprodukte

Ein gelbes, tropisches Seepferdchen - nur eines von mehr als 20 000 beschlagnahmten Objekten.

(Foto: Oliver Berg/dpa/dpaweb)

Mehr als 20 000 Erzeugnisse aus artengeschützten Tieren und Pflanzen hat das Hauptzollamt Frankfurt 2018 am Flughafen sichergestellt. Ein wachsendes Problem sind Online-Bestellungen.

Schönheit, Gesundheit, Wohlbefinden; am liebsten ohne viel Aufwand und mit sofortiger Wirkung: Die Nachfrage nach Wundermitteln zum Einnehmen und Auftragen boomt. Was dieser Trend zur Selbstoptimierung mit der Jahresstatistik des Frankfurter Hauptzollamtes zu tun hat, die am Montag in einem Kongresszentrum am Frankfurter Flughafen vorgestellt wurde, liegt erst einmal nicht auf der Hand. Erst ein genauer Blick in die Zahlen verdeutlicht den Zusammenhang.

Die Zöllner in Frankfurt ziehen immer mehr Nahrungsergänzungsmittel, Diätpillen, Kosmetika und Produkte der traditionellen chinesischen Medizin aus dem Verkehr, die Bestandteile geschützter Tiere oder Pflanzen erhalten. Solche Inhaltsstoffe stammen beispielsweise von Nashörnern, Tigern, Schlangen und Seepferdchen, aber auch von Pflanzen wie Ginseng oder seltenen Orchideen.

20 662 Erzeugnisse aus artengeschützten Tieren und Pflanzen hat das Hauptzollamt Frankfurt im vergangenen Jahr am Flughafen sichergestellt, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. "Da gibt es viele Dinge, die immer wieder vom Zoll gesichert werden. Eingelegte Schlangen, Lederwaren, Korallen, Figuren aus Elfenbein und so weiter", sagt Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz, das mit dem Zoll zusammenarbeitet und dafür verantwortlich ist, dass in Deutschland die Vorgaben des Washingtoner Artenschutzübereinkommens eingehalten werden.

Mehr Onlinebestellungen

Die drastische Zunahme der Sicherstellungen beim Frankfurter Hauptzollamt hat aber eine andere Quelle: "Am Frankfurter Flughafen befindet sich das Internationale Postzentrum, hier landet also alles, was online im Ausland bestellt wird", erklärt Böhmer. Die Bestellung von Pillen, Pülverchen und Präparaten im Internet sei heutzutage auch für Laien "relativ einfach", sagt Böhmer. Vielen Menschen scheine schlichtweg nicht klar zu sein, dass solche Mittel Bestandteile geschützter Arten enthalten können.

Die seit einigen Jahren in Deutschland gestiegene Beliebtheit der traditionellen chinesischen Medizin führt dem Zoll und den Artenschützern zufolge zum Beispiel dazu, dass immer mehr illegale Medizin- und Nahrungsergänzungsprodukte nach Deutschland gebracht wer den. Einige Anhänger glauben, dass die Kraft der verarbeiteten Tiere und Pflanzen durch die Präparate auch auf die Konsumenten übergeht.

Weniger lebende Tiere

Artenschutzexperte Böhmer betont, dass in der Statistik des Frankfurter Hauptzollamtes auch eine positive Entwicklung ablesbar ist: Die Zahl der sichergestellten lebenden Tiere ist stark rückläufig, von 1681 im Jahr 2017 auf 461 im vergangenen Jahr. "Das Verständnis für den Artenschutz ist in den vergangenen Jahren gewachsen", sagt Böhmer. Das sei zwar noch kein Grund zur Euphorie, aber doch ein Fortschritt.

Einen Beitrag dazu leisten auch besondere Mitarbeiter der Zollämter: Die eigens für diese Aufgabe ausgebildeten Artenschutzspürhunde, die seit dem Jahr 2007 ihre menschlichen Kollegen an den deutschen Flughäfen unterstützen und auch am Frankfurter Flughafen im Einsatz sind. Die Spürhunde werden an den Zollhundeschulen darauf trainiert, den Geruch geschützter Exponate zu erkennen.

Der Staat setzt aber nicht nur auf Aufklärung und Kontrollen, um die illegale Einfuhr geschützter Tiere und Pflanzen zu unterbinden, sondern auch auf drastische Strafen: Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen können Geldbußen bis zu 50 000 Euro oder - bei schwerwiegenden Verstößen - sogar Haftstrafen zur Folge haben.