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Präsidialer Jagdunfall:Dick Cheney schießt Anwalt an

Wie der amerikanische Vizepräsident einem Gönner seiner Partei eine Ladung Schrot verpasste.

Oliver Das Gupta

Wer im Internet nach Informationen über Harry Whittington sucht, wird schnell fündig. Der Mann ist 78 Jahre alt, wohlhabend, Rechtsanwalt. Journalisten nennen ihn "halsstarrig" und er sitzt dem Komitee für Beisetzungsfeierlichkeiten von Texas vor.

Wachtel mit Nachwuchs

Wachtel mit Nachwuchs

(Foto: Foto: dpa)

In Austin, der Hauptstadt des US-Bundesstaates, ist Whittington eine Lokalgröße. Seit dem Wochenende kennt ihn die ganze Welt.

Denn da bekam der resolute Advokat eine Ladung Schrot ab - aus der Flinte des zweiten Mannes im Staate, Vizepräsident Richard "Dick" Cheney.

Wie amerikanische Medien berichteten, schoss der Politiker während eines Jagdausflugs Whittington an, der sich ebenfalls auf der Pirsch befand. Von einem Versehen ist die Rede.

Zugetragen hat sich das angeblich so: Cheney sei mit Whittington und einem dritten Begleiter in Südtexas auf der Jagd nach Wachteln gewesen. Whittington habe geschossen und dann nach seiner Beute gesucht, während Cheney seinerseits einen Vogel ins Visier genommen habe, so wird es berichtet.

Kein Kommentar vom Krankenbett

Unvermittelt soll der Anwalt in der Nähe Cheneys aufgetaucht sein, ohne seinem Kompagnon seine Anwesenheit zu signalisieren - und geriet so in die Schusslinie.

Andere Berichte ergänzen, dass Cheney just dann abdrückte, als eine aufgeschreckte Wachtel hochgeflogen war. Das Federvieh befand sich folglich in der Luft, zudem trug der Mitjäger eine organgefarbene Weste und trotzdem traf ihn Cheney - der Bush-Vize will Whittington nicht gesehen haben.

Ob der Getroffene diese Version des Unfallhergangs stützt, ist nicht bekannt. Vieldeutig ließ er von seinem Krankenhausbett mitteilen, er wolle sich nicht zu dem Zwischenfall äußern - aus Respekt vor Cheney.

Das Schrot traf Whittington an der Wange, im Nacken und an der Brust. Zunächst wurde von minder schweren Verletzungen berichtet, inzwischen heisst es, einige Schrotkörner hätten die Herzgegend getroffen. Der Jurist wurde erneut auf die Intensivstation verlegt - nach einem leichten Infarkt.

Ärztlich versorgt wurde der Mann bereits vor dem Transport ins Krankenhaus. Da Cheney herzkrank ist, wird er stets von einem Sanitäter-Team begleitet.

Schrot für den Spender

Die Jagdkünste des Vizepräsidenten machten bereits im Jahre 2003 Schlagzeilen. Der Hardliner in der US-Administration erlegte damals angeblich 70 Fasane - die eigens für ihn aus einem Fangnetz freigelassen worden waren.

Und nun einen knorrigen Juristen statt Federvieh. Der Vizepräsident soll tief betroffen über seinen Fehlschuss sein, wird kolportiert. In diesem Fall dürfte das präsidiale Bedauern besonders groß sein: Harry Whittington spendete den Republikanern seit langen Jahren Geld, zuletzt steuerte er im Jahr 2004 dem Kandidatenduo George W. Bush und Richard Cheney die gesetzlich zulässige Höchstsumme von 2000 Dollar bei.

© sueddeutsche.de
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