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PR mit Minu Barati-Fischer:Des Fischers Frau

Die wundersame Wandlung der Minu B.: Nachdem sie sich sonst immer gegen die Presse gewehrt hat, tritt die Ehefrau von Joschka Fischer ins Rampenlicht - und das ganz freiwillig.

Ulrike Bretz

Minu Barati-Fischer tänzelt im lilafarbenen Kleid in den Räumen einer Kunstsammlung, räkelt sich im luftigen Dolce&Gabbana-Kleidchen zwischen plüschigen Kissen einer Lounge und schmiegt sich mit verträumtem Blick an die Wand einer Bar in Berlin.

Raus aus der Dunkelheit, rein in die Öffentlichkeit: Minu Barati-Fischer in der "Park Avenue".

(Foto: 75)

Eine 32-jährige Frau, die sich gerne zeigt und sich gekonnt vor der Kamera des Fotografen bewegt. Für die November-Ausgabe des Magazins Park Avenue hat sich die Filmproduzentin, die mit dem Ex-Außenminister Joschka Fischer verheiratet ist, in Szene setzen lassen. Sie gewährte Einblicke in ihr Privatleben - das vorher für die Medien strikt tabu war. Wer sich nicht fügte, der bekam es schon mal mit dem Anwalt zu tun.

Nun aber ist Joschka Fischer Consultant und seine Frau eine vife Unternehmerin, die offenbar rechtzeitig fürs Fotoshooting ein paar Pfunde verloren hat. Ihr langer Lauf zu sich selbst?

Der Fotograf hat sie zu ihren Lieblingsorten in Berlin begleitet, der Autor hat sich mit ihr zu Kaffee und Speise getroffen. Er ist dabei, wenn Barati-Fischers iPhone klingelt und die kleine Tochter von ihrem Tag in der Schule erzählen möchte, er schaut ihr beim Essen zu (sie ordert "Falschen Hasen") und bemerkt, dass die dunkelhaarige Frau mit den großen Augen nach Jasmin duftet.

Minu Barati-Fischer hat offenbar viel zu zeigen und viel zu erzählen. Über sich, ihren Mann, und darüber, wer im Hause Barati-Fischer das Sagen hat (und klar ist es dort wie im Klischee: die Frau lässt den Mann nur reden und macht ganz souverän dann doch das, was sie will). Für das Personality-Magazin packt sie ihre iranisch-deutsche Familiengeschichte aus, die Sache mit dem kranken Bruder, die Saga um den harten Kindergartenplatzkampf für ihre Tochter und die Romanze mit Joschka Fischer. Geheimnisse gibt es keine mehr.

Kein Problem mit Aufmerksamkeit

Die Frau, die sich und ihre Geschichten jetzt so bereitwillig und illustrativ auf den Heftseiten präsentiert, hat in der Vergangenheit so gut wie jede Gelegenheit genutzt, um genau das zu unterbinden. Vor Jahren klagte sie erfolgreich gegen die Berliner Boulevardzeitung B.Z., wegen "kampagnenartiger Berichterstattung". Die Zeitung hatte Privatfotos veröffentlicht, auf denen Barati, damals noch nicht mit Fischer verheiratet, mit Freunden in einer Diskothek zu sehen war.

Barati ging gegen die Berichterstattung vor. Sie sah darin eine schwere Persönlichkeitsverletzung und forderte Schmerzensgeld. Sie war konsequent: Auch gegen die Bild-Zeitung und gegen die Bunte setzte sie sich zur Wehr, wollte sich nicht als "Luxusweibchen" bezeichnen lassen und im Mallorca-Urlaub nicht fotografiert werden.

Mit ihren Klagen hat Barati von ihrem guten Recht Gebrauch gemacht. Es war der Versuch, ihr Privatleben zu schützen. Das ist nur verständlich: Es gibt keinen Mechanismus, der dazu führt, dass Frauen prominenter Männer selbst zu Prominenten werden müssen. Minu Barati wollte keine Sylvie van der Vaart, keine Verona Pooth und keine Cora Schumacher sein. Vielleicht wollte die Absolventin der Filmakademie es selbst schaffen. Und höchstens dann, irgendwann, im Rampenlicht stehen, wenn es einen echten Grund dafür gibt: eigenen Erfolg.

Offenbar hat sie ihre Meinung geändert. Da hilft es auch nichts, wenn Frau Fischer der Park Avenue sagt, sie habe ja eigentlich nichts gegen Aufmerksamkeit - solange das Interesse auf einer Leistung basiert und nicht darauf, einen bekannten Mann zu lieben. Nun greift sie eben doch auf die Bekanntheit des langjährigen Außenministers zurück. Anstatt gegen vermeintliche Kampagnen der Medien zu klagen, macht sie lieber ihre eigene. Schließlich gehört ihr neuerdings eine Filmproduktionsfirma, da kann ein bisschen PR nicht schaden.

Ein kleiner Vorgeschmack

Teil der Minu-Barati-Kampagne ist ihr medienwirksames Auftreten bei allen wichtigen Gala-Ereignissen und Society-Events. Taucht sie, inzwischen perfekt gestylt und in auffälliger Designer-Garderobe, bei diesen Anlässen ohne ihren Mann auf, kann sie sicher sein, dass das am nächsten Tag in der Zeitung steht.

Als "Red Carpet Junkie" hat die Bunte sie neulich bezeichnet, als "Traumfrau beim Dreamball" die Bild - bislang ist nicht bekannt, ob sie auch gegen solche Äußerungen etwas einzuwenden hat.

Minu Barati-Fischer ist nun also doch ein Promi. Von ihren Filmen aber hörte man bislang wenig. Der Park Avenue gibt sie immerhin einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommen mag. Soll heißen: Die Zuschauer dürfen gespannt sein.

Denn - aufgehorcht! - die Halbperserin plant nicht nur eine Komödie über Ostfriesland und einen "Actionfilm mit Niveau". Sondern auch einen Film über das Mykonos-Attentat, das der iranische Geheimdienst 1992 auf ungeliebte Oppositionspolitiker verübte, und das auch ihren Vater hätte treffen können.

Mit einem solchen Projekt würde Barati einen Teil ihrer Familiengeschichte thematisieren. Aber damit, persönliche Dinge publik zu machen, hat sie nun ja kein Problem mehr. Und Filme kommen einfach besser an, wenn ein berühmter Name darüber steht.

Minu Barati-Fischer ist eine öffentliche Frau geworden - im Designerkleid.

© sueddeutsche.de/vs
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