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Österreich:Fall Kampusch wird neu aufgerollt

Die österreichische Justiz will die Entführung von Natascha Kampusch erneut untersuchen. Nach schweren Ermittlungsfehlern soll endgültig geklärt werden, ob es Komplizen gab.

Der Fall des österreichischen Entführungsopfers Natascha Kampusch soll überraschend neu aufgerollt werden. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung Die Presse bestätigte das Justizministerium in Wien.

Natascha Kampusch; dpa

Wurde sie von mehr als einem Mann entführt? Die österreichische Justiz will den Fall Kampusch wieder aufrollen.

(Foto: Foto: dpa)

Kampusch war 1998 von ihrem Kidnapper Wolfgang Priklopil als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und achteinhalb Jahre in einem Bunker-ähnlichen Keller unter einer Garage gefangen gehalten worden. Im August vor zwei Jahren war ihr die Flucht gelungen.

Eine parlamentarische Untersuchung hatte in diesem Jahr zahlreiche schwere Ermittlungsfehler der Polizei festgestellt. Jetzt soll unter anderem erneut überprüft werden, ob Priklopil, der sich unmittelbar nach der Flucht von Kampusch das Leben genommen hatte, wirklich ein Einzeltäter war. Im Gegensatz zu den offiziellen polizeilichen Ermittlungen hatte eine damals zwölfjährige Augenzeugin nach dem Kidnapping von zwei Tätern gesprochen.

Nach Informationen der Presse könnten die neuen Ermittlungen in dem Fall bereits in der nächsten Woche beginnen. Unter anderem sei zwischen den zuständigen Justiz- und Innenministerien die Bildung einer neuen Sonderkommission vereinbart werden. Auch ein Freund des Entführers soll erneut befragt werden. Er war bereits 1998 vernommen worden.

Bei der Untersuchung des Falles durch die sogenannte Kampusch-Kommission war außerdem bekannt geworden, dass die Polizei 1998 wenige Tage nach dem Kidnapping einer heißen Spur nicht nachgegangen war, die vermutlich zur Festnahme Priklopils geführt hätte. Der Vorsitzende der Kommission, ein pensionierter Verfassungsrichter, hatte in seinem Abschlussbericht zahlreiche Ermittlungsfehler in dem Fall festgestellt. Die Hinweise mehrten sich, dass der Fall Kampusch zu früh geschlossen worden war.