bedeckt München 26°

Niederlande:Prinz Bernhard im Alter von 93 Jahren gestorben

Der Vater von Königin Beatrix litt an Krebs. Obwohl er gebürtiger Deutscher war, zählte er zu beliebtesten Mitgliedern der niederländischen Monarchie.

Die weiße Nelke im Knopfloch war bis zuletzt das Markenzeichen von Prinz Bernhard der Niederlande. Bis ins hohe Alter blieb der gebürtige Deutsche der tatkräftige Senior der Dynastie Oranien-Nassau. Als Gemahl von Königin Juliana - sie starb am 20. März 2004 - verbrachte er zwar den größten Teil seines Lebens im Schatten des Throns. Doch an ihrer Seite trug der Prinz erheblich dazu bei, dass sich das niederländische Königshaus der modernen Welt öffnete. Sein Widerstand gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg machte ihn zu einer Symbolfigur.

Prinz Bernhard Leopold zur Lippe-Biesterfeld wurde am 29. Juni 1911 in Jena geboren. Der Jurist und Direktor bei IG-Farben galt als "Mann von Welt", als er 1937 Juliana, der Tochter der eher nüchtern und streng wirkenden Königin Wilhelmina, das Jawort gab. Das Paar bekam zwischen 1938 und 1947 vier Töchter.

Die Kriegsjahre verbrachte der vielseitig interessierte Prinz in London, von wo aus er mit seiner königlichen Schwiegermutter den militärischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung der Niederlande organisierte. Auf diese Zeit ging die Begeisterung vieler Veteranen für "ihren" Prinzen zurück.

Uniformen hatten es Bernhard auch nach dem Krieg angetan. Nach der Krönung seiner Frau im Jahr 1948 wurde der Prinz in rascher Folge Admiral, General und schließlich Generalinspekteur der Streitkräfte.

Daneben nutzte er seine Kontakte zu den wichtigsten Persönlichkeiten der damaligen Welt für sein Land. "Goodwill-Botschafter der niederländischen Industrie" war ein Ehrentitel aus den Aufbaujahren, den er gern hörte. Im Königshaus selbst hatte er keine deutliche verfassungsrechtliche Funktion. Doch 1976 musste er fast alle Aktivitäten für sein Land einstellen.

Als beim Bestechungsskandal um den US-Flugzeugbauer Lockheed der Name des Prinzen als Empfänger von Dollar-Millionen auftauchte, musste er sämtliche Uniformen ablegen und sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Im Ruhestand reiste er zwar weiter in viele Länder, konzentrierte sich aber auf Ehrenfunktionen, etwa den Tierschutz über den von ihm mitbegründeten World Wildlife Fund International.

Der Lockheed-Skandal hatte die Monarchie an den Rand einer Krise gebracht. Ein anderes Drama in der ersten Familie des Landes war zu diesem Zeitpunkt längst überwunden: Der Streit über den Einfluss der Gesundbeterin Greet Hofmans auf Juliana hatte die Beziehung zwischen Prinz und Königin erschüttert. Einzelheiten darüber sind noch immer geheim. In den vergangenen Jahren häuften sich Schlagzeilen über die Gesundheitsprobleme des Prinzen. Mehr als 50 Operationen ließ er nach eigenem Bekunden über sich ergehen.

Noch Anfang des Jahres 2004 erregte Bernhard Aufsehen, als er den ungewöhnlichen Weg eines offenen Briefes an eine Zeitung wählte, um "gemeine Diffamierungen" zurückzuweisen. Dabei ging es um Behauptungen, er habe während des Zweiten Weltkrieges mit einer britischen Lady zwei uneheliche Söhne gezeugt und um einen vermeintlich unsoliden Lebenswandel seiner Mutter.

Vor allem aber wollte der aus Deutschland stammende Prinz Behauptungen über seine angeblichen Nazi-Sympathien während des Krieges aus der Welt schaffen. Er bezog sich auf Veröffentlichungen, wonach er Hitler schriftlich angeboten haben soll, Statthalter der Nazis in den besetzten Niederlanden zu werden. Einen entsprechenden Brief von ihm gebe es nicht, im Gegensatz zu anders lautenden Behauptungen, betonte Bernhard. Seine Mitgliedschaft in der NSDAP hatte der Prinz noch vor seiner Hochzeit aufgekündigt.