Nepal Ein Jugendlicher wird als neuer Buddha verehrt

Inzwischen pilgern offenbar jeden Tag tausende Gläubige in einen Wald südlich der Hauptstadt Kathmandu.

Der 15 Jahre alte Ram Bahadur Banjan sitzt unter einem Baum im nepalesischen Regenwald, die Beine übereinander geschlagen und in ständiger Meditation verharrend.

Das mache er nun schon seit sechs Monaten so, ohne Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen, versichern seine Anhänger, die in dem Jugendlichen eine Reinkarnation Buddhas sehen.

Inzwischen pilgern nach Presseberichten jeden Tag etwa zehntausend Gläubige in den Wald bei Bara, 160 Kilometer südlich der Hauptstadt Kathmandu. Um die Menschenmassen zu ordnen, werden Soldaten eingesetzt. In der Nähe entstand ein Parkplatz, Lebensmittelstände nutzen den Andrang für Geschäfte.

Sprachlos

Um dem Rätsel des Jugendlichen auf den Grund zu gehen, leitete die Polizei eine Untersuchung ein. "Wir haben ein Team, das prüft, wie jemand so lange ohne Nahrung und Wasser überleben kann", sagte Polizeiinspektor Chitra Bahadur Gurung.

Die Ermittler befragten Angehörige des Jungen, weil dieser so tief versunken ist, dass er nicht spricht. Unterstützung erhoffen sich die örtlichen Behörden von der Königlich-Nepalesischen Akademie, die um die Entsendung von Wissenschaftlern gebeten wurde.

Ein Reporter der Zeitung Kantipur, Sujit Mahat, sagte, er habe zwei Tage in dem Wald verbracht. Die Besucher könnten aus 25 Metern Entfernung einen Blick auf Banjan erhaschen. Nachts werde aber ein Schirm aufgespannt, der Banjan vor den Augen der Besucher verberge.

Der Buddhismus lehrt, dass man mit äußerster Selbstkontrolle und meditativer Versenkung einen als Nirvana bezeichneten Zustand erreichen kann, in dem der Gläubige völligen Seelenfrieden und die Abwesenheit von allen Bedürfnissen erfährt.

Der Begründer der Lehre, Gautama Siddhartha, wurde etwa 500 v.Chr. Im Südwesten von Nepal geboren, nicht weit von Bara entfernt. Er wurde als Buddha verehrt, was so viel bedeutet wie der Erleuchtete. Der Buddhismus gehört heute zu den Weltreligionen und zählt etwa 325 Millionen Anhänger, die meisten von ihnen in Asien.