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Neonazi von Sohn erschossen:Rechte Gewalt

Eigentlich wollte Jeff Hall, einer der bekanntesten Neonazis der USA, als Märtyrer sterben. Nun hat ihn sein erst zehn Jahre alter Sohn erschossen. Vorsätzlich, sagt die Polizei. Über das Motiv wird noch gerätselt.

Martin Wittmann

Am Tag vor der Tat zeigte der Zehnjährige stolz das Geschenk her, das sein Vater ihm gegeben hatte: ein Ledergürtel mit dem Emblem der SS. Zwölf Stunden später schoss der Junge mit einer Pistole auf seinen Vater, der auf der Couch im Wohnzimmer lag. Die gerufenen Sanitäter hätten nur noch den Tod von Jeff Hall, einem der bekanntesten Neonazis der USA, feststellen können, berichtet die New York Times.

Jeff Hall

Jeff Hall mit der Flagge der Neonazi-Partei National Socialist Movement (NSM). Nun wurde er von seinem Sohn erschossen.

(Foto: AP)

Hall war nicht nur Mitglied des "National Socialist Movement" (NSM), der größten Neonazi-Partei der USA, er leitete das Lokalbüro der Vereinigung in Riverside, Kalifornien, östlich von Los Angeles. Der 32-jährige Klempner war eine aufsteigende Größe in der Partei, die gegen Einwanderer wettert und damit junge Skinheads, alte Anhänger des Ku-Klux-Klans und linke wie rechte Extremisten auf ihre Seite zieht. In 32 Bundesstaaten haben sich etwa 400 Rassisten der Bewegung angeschlossen, die ihren Hauptsitz in Detroit, Michigan, hat. Auf ihrer Homepage schildert die Gruppierung ihr 25-Punkte-Programm, in dem es unter anderem heißt: "Wir fordern den Zusammenschluss aller Arier auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu einem Groß-Reich."

Hall selbst sagte: "Ich will eine weiße Gesellschaft. Ich glaube an die Rassentrennung, und ich glaube daran, mein Leben dafür zu geben." Nun ist Hall, der als Märtyrer sterben wollte, vom eigenen Kind erschossen worden. NSM-Mitglieder hielten eine Trauerfeier für den "gefallenen Kameraden" ab, die Redner sprachen vor einer gehissten Hakenkreuz-Fahne.

Die Tat, teilte die Polizei mit, sei vorsätzlich gewesen. Über das Motiv wird noch gerätselt. In den USA hat der Fall die Frage aufgeworfen, weshalb ein Gewalt und Intoleranz predigender Neonazi überhaupt das Sorgerecht für seine Kinder zugesprochen bekommen hatte. Hall und seine Ex-Frau Leticia Neal kämpften seit Jahren erbittert um das Sorgerecht für ihre fünf Kinder. Gegenseitig beschuldigten sie sich, den Nachwuchs zu misshandeln.

Sicher scheint, dass die Kinder bei keinem von beiden gut aufgehoben waren: Das Jugendamt holte die verwahrlosten Minderjährigen mehrmals bei der Mutter ab, der Vater verlor das Sorgerecht zwischenzeitlich - nicht wegen seiner Gesinnung, die Neal um die Kinder fürchten ließ, sondern wegen Trunkenheit am Steuer. "Wenn man in einem Umfeld mit moralisch verdrehten Werten aufwächst, könnte das die Fähigkeit beeinflussen, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden", sagte der ehemalige Jugendstaatsanwalt Larry Cunningham der Nachrichtenagentur AP.

Der Anwalt von Jeff Halls Sohn zog unterdessen in Betracht, auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren.

© SZ vom 13.05.2011/afis
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