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Nach Urteil zu Dianas Tod:Al Fayed: "Es war Mord"

Auch nach dem Urteil einer Jury, wonach Paparazzi und Fahrer Schuld am Tod von Diana und Dodi al Fayed waren, glaubt dessen Vater weiter an Mord. Dianas Söhne und auch der einzige Überlebende des Unfalls vertrauen dagegen der Jury.

Der gewaltsame Tod von Prinzessin Diana und ihres damaligen Begleiters Dodi al Fayed vor zehneinhalb Jahren in Paris ist auf Fahrlässigkeit ihres angetrunkenen Fahrers und der sie verfolgenden Paparazzi zurückzuführen. Zu diesem Schluss kam am Montag in London eine Geschworenen-Jury, die den Unfall vom 31. August 1997 während der vergangenen sechs Monate erneut untersucht hatte.

Bleibt bei seiner Version: Mohammed al Fayed.

(Foto: Foto: AFP)

Mit dem Urteil, das keine strafrechtlichen Konsequenzen hat, wurde allen Verschwörungstheorien eine klare juristische Absage erteilt. Die Söhne Dianas, die Prinzen William und Harry, stimmten dem Untersuchungsergebnis zu und bedankten sich bei der Jury.

Dodis Vater, der ägyptische Millionär Mohammed al Fayed, erwägt dagegen, das Ergebnis anzufechten. Al Fayed prüfe dies mit seinen Anwälten, sagte dessen Sprecher Michael Cole am Dienstag dem britischen Fernsehsender ITV. Schon am Montag hatte al Fayed nach der Verkündung des Urteils erklärt, er glaube weiter an ein Mordkomplott. Es sei beklagenswert, dass offenkundig einige "Menschen über dem Gesetz stehen". Als er sichtlich erschüttert aus dem Gerichtssaal kam, machte er deutlich, dass er bei seiner Überzeugung bleiben will: "Das wichtigste ist: Es war Mord." Das Urteil sei "ein Schlag" für Millionen von Menschen, die ihn unterstützten.

Während der sechsmonatigen Untersuchung hatte der Besitzer des Kaufhauses Harrods in London und des Ritz-Hotels in Paris zweimal unter Eid erklärt, er werde das Urteil der Geschworenen akzeptieren. Daran fühle sich al Fayed nicht mehr gebunden, sagte dessen Sprecher. Zur Begründung verwies er darauf, dass dem Verlangen al Fayeds nach einer öffentlichen Vernehmung der britischen Königin Elizabeth II. und ihres Ehemanns Prinz Philip nicht stattgegeben worden sei.

"Wir stimmen ihrem Urteil zu und wir sind beide jedem einzelnen von ihnen sehr dankbar für die Belastungen, die sie während der letzten sechs Monate in Kauf genommen haben", heißt es dagegen in der Erklärung der beiden Prinzen William und Harry. Sie betonten zugleich ihren Dank an alle, die nach dem Unfall im Alma-Autotunnel in Paris "so verzweifelt versucht haben, das Leben unserer Mutter zu retten".

Der britische Premierminister Gordon Brown rief al Fayed dazu auf, "einen Schlussstrich" zu ziehen. "Ich denke Prinz William und Harry sprechen für das ganze Land, wenn sie sagen, dass es nun an der Zeit ist, dies zu beenden."

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende Richter der Untersuchung, Scott Baker, die Behauptung des ägyptischen Millionärs Mohammed al Fayed, die Prinzessin und sein Sohn seien auf Betreiben des Königshauses vom britischen Geheimdienst MI6 ermordet worden, offiziell für falsch erklärt.

Nach der Verkündung des Beschlusses, zu dem die elf Geschworenen mit neun gegen zwei Stimmen gekommen waren, äußerte auch der Leiter der früheren Diana-Untersuchung durch Scotland Yard Erleichterung. Damit hätten sich der Bericht der britischen Polizei, der im Dezember 2006 ebenfalls bereits eine Verschwörung ausgeschlossen hatte, "nun als gerechtfertigt erwiesen", erklärte Lord Stevens, der frühere Chef von Scotland Yard. "Die Verschwörungstheorien sind nun vom Tisch."

Auch der einzige Überlebende des Autounfalls in Paris, Dodi al Fayeds Leibwächter Trevor Rees (40), stimmte inzwischen dem Urteil zu. "Ich begrüße den Abschluss der Untersuchung, und ich hoffe sehr, dass nun ein Punkt erreicht ist, von dem aus wir alle nach vorn gehen können", sagte Rees, der bei dem Unfall schwere Gesichtsverletzungen erlitten hatte.

Die britische Polizei hatte erklärt, der Tod Dianas sei ein Unfall infolge der Trunkenheit des Fahrers Henri Paul gewesen, der dabei ebenfalls ums Leben kam. Auch den Paparazzi hatte Scotland Yard bereits eine Mitverantwortung zugewiesen. Allerdings hatten die britischen Ermittler nicht ausdrücklich den Vorwurf der fahrlässigen Tötung erhoben.

Die Jury kam bei der Urteilsfindung auch zu dem Schluss, dass der Fahrer nicht nur zu viel Alkohol getrunken, sondern auch doppelt so schnell wie erlaubt gefahren sei. Er habe dann im Pariser Alma-Tunnel die Kontrolle über den Wagen verloren, so dass dieser gegen einen Pfeiler prallte. Einer der Gründe für das Rasen des Fahrers war, dass er die Paparazzi, die den Wagen mit Motorrädern verfolgten, abschütteln wollte. Auch die Tatsache, dass Diana und Dodi keinen Sicherheitsgurt trugen, habe zu ihrem Tod beigetragen.

Mit Erleichterung dürfte nach Einschätzung britischer Medien im Königshaus aufgenommen worden sein, dass sich die Jury zu einem klaren Urteil bekannte. Eine der Möglichkeiten, die Richter Baker den Geschworenen vorgegeben hatte, wäre ein sogenanntes offenes Urteil gewesen. Dies hätte bedeutet, dass es für den Tod der Prinzessin, ihres Begleiters Dodi al Fayed und des Fahrers Henri Paul keine klare Ursache gibt. Dies wäre in Großbritannien allgemein als Nährboden für alle möglichen Verschwörungstheorien angesehen worden.

Ein Urteil, das wie von Al Fayed angestrebt die königliche Familie und namentlich den Queen-Gatten Prinz Philip verantwortlich gemacht hätte, hatte der Richter schon vor der Jury-Beratung ausgeschlossen. Für die neuerliche Untersuchung wurden 287 Zeugen befragt und tausende Beweismittel gesichtet. Die Kosten des Verfahrens werden auf umgerechnet rund neun Millionen Euro geschätzt.

© dpa/ihe
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