Maßnahme indonesischer Bahngesellschaft:Betonkugeln gegen Zug-Surfer

Mit schweren Pendeln will ein indonesisches Bahnunternehmen gegen Zug-Surfer auf den Waggondächern vorgehen. Menschenrechtler kritisierten die Maßnahme: Schüler, die sich kein Ticket leisten können, müssten nun damit rechnen, "dass sie von Betonkugeln umgebracht werden".

Mit Betonpendeln über ihren Bahnstrecken will eine indonesische Eisenbahngesellschaft Schwarzfahrer auf den Zugdächern abschrecken. Sie hat mehrere Gerüste montiert, von denen die schweren Kugeln hängen. Die Kugeln pendeln so tief, dass sie die Dächer durchfahrender Züge fast streifen.

Die Kugeln hängen so tief, dass sie die Dächer durchfahrender Züge fast streifen. (Foto: dpa)

"Es ist das erste Mal, dass unsere Bemühungen wirken, um die Zug-Surfer abzuschrecken", sagte der Sprecher des Unternehmens PT Kereta Api, Mateta Rizalulhaq. Menschenrechtler kritisierten die Maßnahme. "Schüler auf den Zugdächern müssen jetzt damit rechnen, dass sie von Betonkugeln umgebracht werden", sagte der Sprecher der nationalen Menschenrechtskommission, Yosef Adi Prasetyo der Zeitung Jakarta Globe. "Damit wird ihr Recht auf einen sicheren Schulweg verletzt."

Viel Publicity für eine fragwürdige Maßnahme

Manche der sogenannten Zug-Surfer können sich die Fahrscheine nicht leisten, andere fahren auf dem Dach, weil die Züge notorisch überfüllt sind.

Die ersten Gerüste waren am Dienstag auf der Strecke von der Hauptstadt Jakarta in den Vorort Bekasi errichtet worden. Die Firma kündigte dies mit großem Publicity-Aufwand an, um Leute, die auf den Zugdächern fahren, vorzuwarnen. Am Mittwoch sei kein Schwarzfahrer mehr auf einem Zugdach entdeckt worden, sagte der Sprecher.

Frühere Versuche, das gefährliche Tun der Zug-Surfer zu unterbinden, sind fehlgeschlagen. Dabei waren zum Beispiel die Zugdächer mit einer rutschigen Oberfläche versehen oder Stacheldraht installiert worden.

© Süddeutsche.de/dpa/jobr - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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