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Krebskranke Jade Goody:Die Braut trug schwarz

Ihr Schicksal rührt Großbritannien: TV-Star Jade Goody leidet an Krebs im Endstadium. Ihre letzten Tage zelebriert sie in aller Öffentlichkeit - dies hatte nun einen vorläufigen Höhepunkt.

Wie viel Leid darf in der Öffentlichkeit stattfinden? Großbritannien debattiert über das Schicksal von Big-Brother-Star Jade Goody. Die 27-Jährige hat Krebs im Endstadium. Die Ärzte haben der 27-Jährigen mitgeteilt, dass sie nur mehr wenige Tage zu leben habe. Seither findet das Schicksal der Jade Goody tagtäglich in den britischen Boulevardmedien statt.

Krebskranke Jade Goody: Die Braut trug schwarz, Getty

Kameras bei der Hochzeit und am Sterbebett: TV-Star Jade Goody und Jack Tweed.

(Foto: Foto: Getty)

Am Sonntag hatte das öffentliche Leid einen vorläufigen Höhepunkt: Der Reality-Star hat sich nach eigenen Angaben einen Herzenswunsch erfüllt - eine Celebrity-Hochzeit in großem Stil. Sie gab in einem Landhaus in Hatfield Heath ihrem Freund Jack Tweed das Jawort.

Die wegen Chemotherapie glatzköpfige Braut trug ein Designerkleid, in dem ein Täschchen mit Schmerzmitteln dezent versteckt war. Der 21-jährige Bräutigam kam mit einer elektronischen Fußfessel zur Trauung: Er ist nur zur Bewährung auf freiem Fuß. Tweed wurde im vergangenen Jahr zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt, weil er einen Jugendlichen mit einem Golfschläger angegriffen hatte. Justizminister Jack Straw verfügte per Sondererlaubnis, dass er im Anschluss an die Feier die Hochzeitsnacht mit seiner Braut verbringen dürfe.

Zur "Celebrity"-Hochzeit gehörten: Ein Hubschrauber, ein Luxushotel und ein nach Berichten eine Million Pfund schwerer Vertrag über Foto- und Videorechte. Politiker äußerten sich positiv über das einstige Enfant terrible, das Rio de Janeiro für eine Person gehalten und Zweifel daran geäußert hatte, ob in den USA Englisch gesprochen werde. Die Schule, in die sie in Südlondon gegangen war, sah sich damals zu dem Hinweis veranlasst, dass nicht alle ihre Schüler auf diesem Niveau seien.

Goody war seit ihrem ersten Auftritt in der Reality-Show Big Brother 2002 zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen: Aufstieg zum Ruhm, danach ein Absturz wegen rassistischer Äußerungen. Mobbing gegen Shilpa Shetty, eine indische Teilnehmerin der Big-Brother-Staffel ließ sie 2007 in Ungnade fallen. Sie wurde aus der Show verbannt. Ihr Comeback feierte sie im August 2008, als sie öffentlich über ihren Gebärmutterhalskrebs redete.

Vor den Kameras leben und sterben

Seither verkauft sie Informationen über ihr Schicksal an die Medien, um nach eigenen Angaben mit dem Geld nach ihrem Tod ihre beiden Kinder versorgen zu können. "Ich habe vor Fernsehkameras gelebt. Und nun werde ich eben vor ihnen sterben", sagte die 27-Jährige in einem Interview. Für die Vermarktung ihrer Traumhochzeit und die Filmaufnahmen soll sie eine Million Pfund (1,1 Million Euro) kassiert haben. Die Vermarktung von Jade Goodys letzten Tagen hat dabei Max Clifford übernommen. Er gilt als einer der einflussreichsten PR-Profis Großbritanniens.

Premierminister Gordon Brown bezeichnete Jades Schicksal als tragisch. Ihre Entscheidung, ihre Krankheit öffentlich zu machen und für ihre beiden kleinen Söhne soviel Geld wie möglich daraus zu machen - niemand nehme ihr das im Vereinigten Königreich übel.

Goody hatte ihre Popularität nach der Big-Brother-Teilnahme schon mehrfach zu Geld gemacht: Unter anderem mit einem Parfüm, einer Autobiografie und Fitness-Videos. Jade Goody gilt in Großbritannien als Star der unteren Klassen. Kein Tag vergeht, in dem sie nicht in irgendeiner Weise im britischen Revolverblatt The Sun zu Wort kommt.

Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass die Vorsorgeuntersuchungen für Gebärmutterhalskrebs seit Jades Kampagne von jungen Frauen wie noch nie zuvor genutzt würden - und damit für viele das Risiko eines tödlichen Verlaufs minimiert werden könne.

Im August 2008 kam dann die Krebsdiagnose. Jade macht alle Details öffentlich, spricht etwa darüber, wie ihr wegen der Chemotherapie die Haare ausfielen. Der katholische Bischof von Wales, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, würdigte sie am Sonntag als "tapfere Frau": "Viele Leute mögen sagen, sie solle das doch besser im Stillen ertragen", sagte er im Fernsehsender Sky News. "Ich denke aber, sie hat sich entschieden, den Menschen etwas über die letzten Monate ihres Lebens beizubringen."

© sueddeutsche.de/AP/AFP/hai/bica
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