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Krach, schnurr, dröhn:Der Klang der Dinge

Wie Sound-Designer versuchen, Kekse und Rasierapparate begehrenswert zu machen.

Ein Keks muss krachen. Ein Damenrasierer muss schnurren. Ein Motor muss dröhnen. Warum eigentlich? Weil es der Mensch so will. Dröhnende Damenrasierer oder krachende Motoren würden sich schlichtweg nicht verkaufen. Der Sound ist wichtig.

Knack!
(Foto: Grafik: Dimitrov)

Früher konzentrierten sich Industriedesigner auf die Eleganz in den Formen von Kühlschränken, Toastern und Haartrocknern. Auf die Optik. Heute sitzen Akustik-Experten, die Vivaldis des Alltags, gleichberechtigt neben ihnen. Und da der Mensch Jahre seines Lebens im Auto verbringt, liegt ihm der individuelle Klang seines Fahrzeugs naturgemäß besonders am Herzen.

Klar, dass die Türen des neuen Q4-Geländewagens von Alfa Romeo wesentlich herber ins Schloss fallen als die eines viertürigen Mittelklasse-Seat. Und dem Motor des neuen Ferrari F430 hört man seine gut 500 PS selbstverständlich an - auch dafür haben Sound-Designer gesorgt.

"Es gibt kaum noch Produkte auf dem Markt, deren Geräusche nicht von Technikern gecheckt und verbessert wurden", sagt Friedrich Blutner, Chef der sächsischen Firma Synotec Psycho-Informatik, die Geräuschbilder von Produkten für die Industrie testet und gestaltet.

"Jedes Surren, Klappen und Röhren koppeln wir sofort mit einem positiv oder negativ besetzten Bild", meint Blutner, der neben Knackwurstproduzenten auch Bierbrauer berät. "Je schroffer der Übergang vom Flaschenbauch zum Flaschenhals, desto freundlicher das Glucken des Bieres beim Einschenken." Statt gluck, gluck, gluck fordert Blutner: Glück, Glück, Glück.

Für Autotüren wiederum gilt: "Ein dunkles, warmes Klacken spricht das Herz an, vermittelt Solidität. Wenn etwas scheppert, wirkt das billig." Das Schlimmste, was einem Produkt passieren kann, sei, "dass es nicht konsistent klingt", warnt der frühere Ingenieur des DDR-Kombinats Musikinstrumente und Kulturwaren. "Das Stammhirn sendet umgehend eine Alarmbotschaft aus - der Rezipient fühlt sich verschaukelt."

Mindestens fünf Prozent der Entwicklungskosten eines neuen Luxusfahrzeugs, so wird geschätzt, gehen ins Sound-Design. Nichts bleibt dem Zufall überlassen: Ist die Autotür dicht isoliert, wird die Luft beim Einschwenken abrupt gequetscht. Das klingt dann sportlich. Ist die Dichtung aber so verlegt, dass die Luft verzögert entweicht, so klingt der Türschlag weich und zuverlässig wie das Schließen eines schweren Tresors.

Für einen guten Sound braucht es eben gute Ideen. Das Scheppern des "Star Wars"-Laserschwerts war schließlich auch nichts anderes als ein im Tonstudio bearbeiteter, stinknormaler Hammerschlag auf Antennendraht.

"Wir waren die erste Autofirma, die Wert auf Sound legte", versichert Jürgen Pippig von Porsche in Stuttgart. Seit den 60er-Jahren tüftele man bereits an Motor- und Auspuffgeräuschen. Heutzutage entwickeln bis zu 40 Spezialisten beispielsweise Anlassergeräusche im Tonstudio. "Sportlich, aber nicht prollig. Kräftig, aber nicht zu laut", lauten die Vorgaben. Bei BMW untersuchen über 100 Angestellte in den Abteilungen Akustik und Schwingungstechnik das Geheimnis guter Klänge.