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Kinderleichen in Sachsen-Anhalt:Auf dem Dachboden und in der Mülltonne

Grausamer Fund in einem Einfamilienhaus: Die Polizei hat die Leichen von drei Neugeborenen gefunden. Die 36-Jährige Mutter wurde festgenommen. Sie schweigt.

Das teilte der Sprecher der Polizei in Stendal, Joachim Albrecht, am Sonntag mit. Der Fall war am Samstag aufgedeckt worden, nachdem der frühere Lebensgefährte der 36-Jährigen die Polizei um Hilfe gebeten hatte.

Kinderleichen

Auf dem Dachboden dieses Hauses wurden die Leichen gefunden.

(Foto: Foto: dpa)

Er hatte sich bereits vor einem Jahr von der Frau getrennt und am Samstag noch Sachen aus dem Haus abgeholt. Die 36-Jährige war mit dem gemeinsamen zweijährigen Sohn im Auto weggefahren. Der Ex-Freund befürchtete, dass sie dem Kind etwas antun würde.

Die Polizei startete eine Suchaktion und fand das Auto in Bismark. Danach kam es zu dem grausigen Fund. Erst entdeckten Polizisten in einer Mülltonne die skelettierte Leiche eines Babys, dessen Geschlecht nicht mehr feststellbar war. Danach durchsuchte die Polizei das ganze Haus und stieß auf dem Dachboden auf zwei weitere Leichen - ein Mädchen und ein Junge.

Die Obduktion der Leichen in der Rechtsmedizin Hannover hat laut Polizei ergeben, dass es sich um Neugeborene handeln könnte. Die Todesursache ist noch unklar. Nach Angaben des Polizeisprechers war die 36-Jährige vor drei bis vier Jahren von Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel nach Neuendorf am Damm gezogen. Es sei nicht auszuschließen, dass sie die toten Babys von dort mitgebracht habe, sagte Albrecht. Die Verdächtige hat neben dem zweijährigen noch einen 17-jährigen Sohn aus einer früheren Beziehung. Die beiden Jungen wurden bei Freunden untergebracht.

Fälle häufen sich

Der mutmaßliche Vater der toten Kinder wurde von der Kripo vernommen und danach freigelassen. Er hat angeblich nichts von der Existenz der Babyleichen gewusst. Anfang Januar waren in Thüringen zwei Babyleichen in einem Haus in Altenburg gefunden worden. Der 48-jährige Vater der Kinder hatte sich an Silvester der Polizei gestellt und gestanden, die Babys direkt nach der Geburt im Keller einbetoniert zu haben. Die 44 Jahre alte Mutter kam in Untersuchungshaft. Ende April beginnt der Prozess gegen die 39-jährige Frau, die im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd die Leichen von neun Babys in Blumenkästen und -kübeln beseitigt haben soll. Sie ist wegen achtfachen Totschlags angeklagt.

Erst vor einer Woche war in Premnitz in Brandenburg eine Babyleiche entdeckt worden. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen die 16-jährige mutmaßliche Mutter des Kindes, die das neugeborene Mädchen in eine Plastiktüte verpackt und in eine Papiertonne geworfen haben soll. Am 2. März wurde ein totes neugeborenes Mädchen in einer Müllsortieranlage bei Husum in Schleswig-Holstein unter Altpapier gefunden.

In Bayern wurden vorige Woche ein 25-Jähriger und eine 21-jährige Frau aus Grünbach festgenommen. Die Frau gestand, ihr neugeborenes Mädchen am 30. Januar in einer Pappschachtel in der Nähe von Erding ausgesetzt zu haben. Das tote Kind wurde am 2. Februar entdeckt.

Am 26. Februar fand ein 44-Jähriger in Baiersdorf (Mittelfranken) im Gefrierschrank seiner 38 Jahre alten Lebensgefährtin eine Babyleiche. Die Frau soll das Mädchen vor mehreren Monaten kurz nach der Geburt getötet haben. Ende Januar wurde am Mainufer bei Aschaffenburg ein totes Baby gefunden. Kurz zuvor hatte ein Forstarbeiter in einem Wald in Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen) ein totes neugeborenes Mädchen gefunden.

© AP
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