Karlheinz Böhm wird 80 Die Rolle seines Lebens

Almaz, die 36 Jahre Jüngere, wird Böhms vierte Frau. Zwei Kinder kommen zur Welt, Nicholas und Aida, aber außer Mutter und Ehefrau ist Almaz auch Böhms engste Mitarbeiterin und voraussichtliche Nachfolgerin. Er sagt: "Wenn mich heute meine Kräfte verlassen würden, könnte Almaz die Gesamtverantwortung schon morgen übernehmen." Bestellt da einer seinen Hof?

Wie gesagt, Böhm denkt nicht ans Aufhören, aber er hat letztes Jahr in Äthiopien einen schweren Autounfall gehabt, der ihn leicht das Leben hätte kosten können. Die Sache geht glimpflich ab, wenn man schmerzhafte Prellungen am ganzen Körper so beschreiben darf, aber sie hat ihn nachdenklich gemacht. Jedenfalls ist die Nachfolgefrage kein Tabu für Böhm: "Wenn ich merke, dass es so weit ist, werde ich mit der Übergabe nicht einen Moment lang zögern."

"Brille ab, schmusen!"

Die Stiftung also mag überdauern, aber werden es auch die Projekte tun? Sind in Afrika aus gut gemeinten Wohltaten nicht hat allzu oft traurige Entwicklungsruinen geworden? Böhm macht sich keine Sorgen. Er hat ein gutes Gewissen: "Wir haben da nicht einfach etwas hingestellt oder den Menschen etwas diktiert." Er habe vielmehr immer versucht zu lernen und zu verstehen, was die Menschen benötigen, das sei das Grundprinzip von MfM und das ganze Geheimnis.

Die Regierenden haben es Böhm gedankt durch die Verleihung der Ehrenbürgerwürde, die Menschen durch eine große Zuneigung, die sie ihm zuletzt im Januar gezeigt haben, als er das erste Mal seit dem Unfall zurückkehrte nach Äthiopien. Der Empfang, sagt Böhm, habe ihn überwältigt. Er nennt Äthiopien Heimat und die Menschen dort "meine Großfamilie". Im Mai wird er das nächste Mal reisen, und dann wird er bis September bleiben.

Er wird alle umarmen und küssen, die ihm über den Weg laufen, das ist so seine Art. Früher bei seinem Vater hieß es: "Brille ab, schmusen!" Dann nahm der große Dirigent die Brille ab, der Sohn setzte sich auf seinen Schoß, man rieb Wange an Wange, und das war's. Der kleine Junge hätte so viel mehr Nähe gebraucht, und vielleicht ist das der Grund, warum er sie sich heute als Großer bei den Menschen in Äthiopien holt. Vorher allerdings wird noch ein Geburtstag zu feiern sein, im privaten Kreis in einer Villa bei Salzburg - aber Ato Karl, der Jubilar, wird mit dem Herzen vermutlich schon in seinem kleinen, bescheidenen Häuschen im äthiopischen Erer-Tal sein. Glückwunsch, Karlheinz Böhm.