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Jaycee Lee Dugard: Ihr Kidnapper:So tickt der Entführer

Ein früheres Opfer von Phillip Garrido hat in einer Talkshow das Wesen des Täters beschrieben. Mittlerweile wurden auf dem Nachbargrundstück Knochenteile gefunden.

"Ich möchte schreien, aus der Tiefe meiner Seele", sagt Katie Callaway Hall. "Schreien, weil meine Ängste berechtigt waren - er hat wieder zugeschlagen." Katie Callaway Hall ist ein früheres Opfer von Phillip Garrido, dem Mann, der Jaycee Lee Dugard 18 Jahre lang gefangen gehalten und missbraucht hat.

Phillip Garrido sitzt in Untersuchungshaft und hat möglicherweise noch mehr Frauen vergewaltigt und auch getötet.

(Foto: Foto: Reuters)

Katie Hall hatte Garrido im Jahr 1976 in Reno (Nevada) mit dem Auto mitgenommen und war von dem Sexualstraftäter in einen Lagerschuppen verschleppt und dort acht Stunden lang festgehalten und immer wieder vergewaltigt worden.

Jaycee Lee Dugard schweigt

Das Entführungsopfer Jaycee Lee Dugard schweigt über das 18 Jahre währende Martyrium. Katie Callaway Hall hingegen hat in der Larry King-Talkshow ein Bild des Sextäters gezeichnet. Seit dem 22. November 1976 sei kein Tag vergangen, an dem sie nicht an ihren Peiniger gedacht habe. Nur durch Zufall hatte ein Polizist Garridos Versteck in einem Lagerhaus entdeckt, das Opfer befreit und den Täter festgenommen. Er wurde zu 50 Jahren Haft verurteilt, kam aber nach elf Jahren auf Bewährung frei.

"Ich bezweifle, dass ich darüber hinwegkommen werde", sagte die Frau bei Larry King. Hall schilderte, wie sie Garrido in die Hände gefallen war. Er hatte sie auf einem Parkplatz angesprochen, ob sie ihn ein Stück mitnehmen könne, weil sein Auto nicht anspringe. Nach seiner Festnahme hatte er laut Gerichtsdokumenten ausgesagt, dass er Hall nicht gezielt ausgewählt habe, aber dass es ihre Schuld gewesen sei, weil sie attraktiv war.

"Ein Opfer zu sein ist etwas, das nur jemand verstehen kann, der selbst ein Opfer war", sagte Hall. "Jahrelang bin ich wie ein Zombie herumgelaufen. Ich musste jedem erzählen, was mir passiert ist, so als ob ich erklären müsste, warum ich mich nicht normal verhalte", erzählte sie. Nun, da Garrido gefasst ist, müsse sie sich nicht mehr jeden Tag fragen, ob ihr Peiniger noch nach ihr suche.

Knochen auf dem Nachbargrundstück gefunden

Gegen Garrido wird auch im Zusammenhang mit ungeklärten Morden an Prostituierten in den neunziger Jahren ermittelt. Nach Polizeiangaben wurden die Leichen der Frauen in der Nähe seines früheren Arbeitsplatzes in einem Industriegebiet gefunden.

Garridos Vater traut seinem Sohn zu, dass er die Morde an den Prostituierten begangen hat. "Ich schätze, er könnte darin verwickelt sein, was mit den Prostituierten passierte", sagte Manual Garrido der britischen Zeitung The Sun. "Mein Sohn hat offensichtlich etwas sehr Krankes getan", wird der 88-Jährige zitiert. "Es ist richtig, sich all die anderen kranken und schlimmen Sachen anzuschauen, die in derselben Zeit passierten."

Auf dem Nachbargrundstück von Garridos Zuhause wurde mittlerweile ein Teil eines Knochens gefunden. Ob der allerdings wirklich von einem Menschen stammt, muss noch untersucht werden. Die Tests könnten allerdings Wochen dauern. Der wegen Sexualverbrechen vorbestrafte Phillip Garrido hatte das Nachbarhaus in Antioch, 70 Kilometer östlich von San Francisco, vor einigen Jahren gehütet und dort einen Unterstand eingerichtet.

Die erste Frau des Entführers beschrieb den 58-Jährigen als herrschsüchtiges "Monster". Einmal habe er sie mit einer Sicherheitsnadel ins Gesicht gestochen, weil ein anderer Mann mit ihr flirtete, sagte sie in einer Fernsehsendung. Noch heute habe sie eine Narbe.

Job in der Firma des Entführers

Die vor 18 Jahren enführte Jaycee Lee Dugard soll Medienberichten zufolge während ihrer Gefangenschaft in der Druckerei ihres mutmaßlichen Kidnappers gearbeitet haben. Sie machte dabei keine Anstalten, Hilfe zu suchen. Die heute 29-Jährige habe Kunden per Telefon und Email bei ihren Bestellungen von Visitenkarten, Flyern oder Plakaten geholfen, berichtete der San Francisco Chronicle. Dugard sei "sehr professionell, sehr höflich" gewesen, "wie eine normale Sekretärin", zitierte die Zeitung einen Kunden.

Garrido habe Dugard als seine Tochter Allissa vorgestellt und vorgegeben, sie kümmere sich um das Design der Auftragsarbeiten, sagte ein anderer Kunde. Experten zufolge entwickelte Dugard während ihrer langen Gefangenschaft vermutlich das so genannte Stockholm-Syndrom und baute eine enge emotionale Beziehung zu ihrem Geiselnehmer auf.