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Italien:Herrscher der Lüfte

Gesagt, getan. Mittlerweile hat das Principato eigene Münzen und Briefmarken, eine Flagge, Autokennzeichen, Pässe und was sich sonst an die Abertausenden Touristen verkaufen lässt, die nun Jahr für Jahr in Bussen vom Meer herauffahren, um etwa im Restaurant "Il Principe" des Außenministers Walter Ferrari Gnocchi al Pesto und Zicklein zu verspeisen. "Giorgio I. hat es geschafft, dass uns heute die ganze Welt kennt. Er hat Seborga geholfen zu überleben", lobt Bürgermeister Franco Fogliarini, der ja eigentlich der "Kolonialmacht" Italien untersteht. Im Gegensatz zu anderen Bergorten sei Seborga so nicht ausgestorben.

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Giorgio I. feiert heute seinen 70. Geburtstag

(Foto: Foto: Reuters)

Zu klein, um Krieg zu führen

Und was sagt Rom zu der ganzen Geschichte? Bislang gar nichts. Zwar drohte die Staatspolizei einmal, bei Missachtung der nationalen Gesetze einzugreifen. Aber solange die Seborganer Steuern an Italien bezahlen, könnten sie unter ihrem Fürsten wohl noch lange im Frieden leben - zumal Giorgio I. erklärte: "Wir sind zu klein, um Krieg zu führen."

Doch dann ist Prinzessin Yasmin in die Idylle gebrochen. "Sie beanspruchte als Erbin Kaiser Friedrich II. das Fürstentum Seborga", erzählt der Bürgermeister. "Wir haben sie eingeladen, doch sie ist nicht gekommen. Und wie sollten wir eine Prinzessin anerkennen, die wir nicht kennen?" Giorgio I. zweifelt sogar an der Existenz der Hohenstauferin. "Ich habe sie noch nie gesehen und nenne sie nur die Principessa Internet", sagte der Fürst der Süddeutschen Zeitung.

Doch noch etwas treibt Seborga in diesen Tagen um: ein angeblicher Beschluss des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag. "Den Haag gibt uns Recht. Es erklärt, dass Seborga nicht zu Italien gehört", frohlockt Ferrari, der Außenminister. Bürgermeister Fogliarini will sich das Dokument nun besorgen. Am Weltgericht aber weiß man gar nichts von der Sache.

"Der Gerichtshof hat diesen Fall nicht behandelt", versichert ein Sprecher des Tribunals. Seine Hoheit wird sich trotzdem nicht unterkriegen lassen. Auf die Frage, ob er weiter auf dem Thron bleibe, antwortet Giorgio I. halb seufzend, halb lachend: "Leider. Denn es ist soviel Arbeit."

© SZ vom 16.6.2006
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