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Hurrikan "Matthew":Ausgetobt

Am Samstag hat Matthew den Highway A1 in Flagler Beach an Floridas Ostküste mit Trümmern überzogen.

(Foto: Red Huber/AP)

Während Haiti um Hunderte Todesopfer von Hurrikan "Matthew" trauert, bleibt in den USA die Katastrophe aus. Zum Glück hatte sich der Tropensturm entlang der Küste abgekämpft, bevor sein Auge aufs Land traf.

Am Sonntag endlich galt Matthew nicht mehr als Hurrikan, so viel Kraft hatte er inzwischen verloren. Auf seinem zerstörerischen Weg entlang der US-Ostküste hatte sich der Wirbelsturm, der als einer der stärksten je gemessenen Stürme in die Geschichtsbücher eingehen wird, weiter abgeschwächt. Das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA nannte Matthew fortan nur noch einen tropischen Sturm, der sich zuletzt weiter gen Nordosten Richtung Atlantik bewegte.

Der Schrecken, den Matthew verbreitet hatte, war damit aber nicht vorbei. Haiti rief angesichts Hunderter Todesopfer und massiver Verwüstungen eine mehrtägige Staatstrauer aus. Zehntausende werden dort auf lange Zeit unter den Folgen des Sturms leiden, der ihnen ihre letzten Besitztümer geraubt hat. Und auch wenn die befürchtete Katastrophe in den USA ausgeblieben war: Zweifelsohne waren die Folgen des Sturms auch dort schwerwiegend. Mindestens 14 Menschen starben.

Am Sonntag wurde der Bundesstaat North Carolina zudem weiter von heftigen Regenfällen und Überschwemmungen geplagt. Noch bis zum frühen Abend sollte es Meteorologen zufolge dauern, bis der Wind völlig abgeflaut sein würde. In Florida, Georgia und South Carolina hatte Matthew zuvor bereits schwere Schäden angerichtet. Bäume waren umgeknickt, Straßen unpassierbar geworden. Mehr als zwei Millionen Haushalte waren zeitweise ohne Strom.

Am Samstag war das Auge des Sturms in South Carolina erstmals über US-Gebiet gelangt. Aber da war Matthew schon zu einem Hurrikan der schwächsten Kategorie abgestuft worden. Zum Glück für die Amerikaner war er vor seinem Treffen auf die USA lange Zeit an der Küste entlanggeschrammt und hatte so an Kraft eingebüßt. "Jede Meile Entfernung hat geholfen", sagte ein Meteorologe auf CNN.

Zu unterschätzen war Matthew trotzdem nicht: Besonders schlimm erwischte es die traditionsreiche Stadt Charleston, die "Perle South Carolinas". Hier hatten sich viele Straßen schon in Flüsse verwandelt, bevor Matthew an der Stadt vorbeischrammte. Betroffen waren auch das romantisch-melancholische Savannah in Georgia und das kostbare St. Augustine im Nordosten Floridas, die älteste Stadt der USA. Insgesamt waren in den vier betroffenen Bundesstaaten mehr als zwei Millionen Menschen aufgerufen worden, sich in Sicherheit zu bringen. Es handelte sich um die umfassendste Zwangsevakuierung seit dem Hurrikan Sandy Ende 2012.

Während das genaue Ausmaß der Sturmschäden in den USA bislang unklar ist, stellt sich die Lage in Haiti wesentlich dramatischer dar. Dort sind dem Zivilschutz zufolge 336 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 60 000 Personen haben Schutz in Notunterkünften gesucht. In Medien war zuletzt von deutlich mehr Todesopfern die Rede gewesen. Rettungskräfte sagten aber, sie rechneten damit, dass die Zahl der Toten noch steigen werde. Die haitianische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis Dienstag an. Diskotheken sollten geschlossen bleiben, die Flaggen auf halbmast gesetzt werden.

Hurrikan Matthew hatte den Südwesten Haitis am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometer pro Stunde getroffen. Aus Angst vor Plünderungen hatten wohl zahlreiche Menschen ihre Häuser nicht verlassen. Die besonders stark betroffene Region im Südwesten wurde vom Rest des Landes abgeschnitten. "Mehr als 1800 Häuser wurden überflutet, Hunderte komplett zerstört", sagte der Kommandeur der UN-Blauhelmmission Minustah, General Ajax Porto Pinheiro, nach einem Rundflug über das Gebiet. "Kokospalmen wurden entwurzelt, Bananenplantagen zerstört - es ist auch eine Umweltkatastrophe." In der Region leben die meisten Menschen von der Landwirtschaft. Nach Angaben der UN brauchen nun mindestens 350 000 Menschen Hilfe.

Die meisten Bewohner der betroffenen Gebiete in den USA brauchen sich daher nur die Bilder aus Haiti vor Augen zu halten, um ihr Schicksal zu relativieren. So sagte es auch ein Mann in Floridas Küstenstadt Port St. Lucie, dessen Haus der Hurrikan unter Wasser gesetzt hatte, dem Sender MSNBC: Hunderte Tote, schwere Verwüstungen, Menschen, die schon vor Matthew kaum etwas besaßen und nun das Letzte verloren haben - "da kann ich mich wenig beklagen".

© SZ vom 10.10.2016 / AP,dpa,SZ
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