bedeckt München 16°

Geniestreich:Mit Pixeln zum Millionär

Eine Seite im Internet ohne Inhalt, nur mit Werbung, die so klein ist, dass man sie kaum erkennt - dazu das Ziel, eine Million Dollar zu verdienen. Blödsinn? Irgendwie schon, aber ein britischer Student hat diesen Plan verfolgt - mit Erfolg.

Warum ist mir das bloß nicht eingefallen? Das fragen sich jetzt mindestens eine Million Menschen rings um den Globus.

milliondollarhomepage

Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, wofür hier im Einzelnen geworben wird.

(Foto: screenshot)

Die Millionen-Idee eines 21-jährigen britischen Studenten war eine der originellsten des Jahres.

Ausgerechnet Socken, so richtige alte Qualmsocken, spielten eine wichtige Rolle. Und natürlich das Internet.

Aber auch die Erkenntnis, dass sich gute Geschäfte am besten machen lassen, wenn möglichst viele Leute anderen freiwillig davon erzählen. Und wie schafft man das?

Diese Frage ging Alex Tew durch den Kopf, als er im vergangenen Sommer eines Abends auf seinem Bett lag und seine Lage überdachte. Der Wirtschaftsstudent kam sich vor wie ein Tellerwäscher.

Sein Konto wies seit Wochen nur Zahlen mit einem Minuszeichen auf. Dabei war der Abschluss des Studiums an der Universität von Nottingham noch ungefähr 7500 Pfund (10.000 Euro) an Gebühren, Miet- und Lebenshaltungskosten entfernt.

Und dann diese löchrigen Socken. Als sein Blick darauf fiel, erzählte Alex Freunden, da sei ihm "so richtig das Unwürdige an meiner Lage bewusst geworden".

Rasch stand fest, was für einen jungen Mann in dieser Situation die einzig richtige Fragestellung ist: "Wie werde ich Millionär?" Diese Frage schrieb er in ein leeres Notizbuch. Für die Antwort brauchte der Studiosus an diesem lauen Sommerabend im August ganze 20 Minuten, sagte er dem Sender BBC.

Umgerechnet 75 Euro musste er für die Anfangskosten auftreiben. Später spendierte die Familie noch rund 800 Euro für eine professionelle Pressemitteilung, die alle wichtigen Redaktionen erreichte.

Und dann geschah genau das, was sich der junge Mann aus der Kleinstadt Cricklade in der südenglischen Grafschaft Wiltshire vorgestellt hatte: Alle redeten über Pixel. Wie klein darf ein Werbebanner auf einer Internetseite sein, wenn es überhaupt noch wahrgenommen werden soll?

Die richtige Antwort lautet: So klein, dass es kaum noch zu sehen ist. Dann nämlich - das wissen wir jetzt - rücken unendlich viele neugierige Leute ganz dicht an ihre Monitore heran und versuchen zu deuten, was da wohl zu sehen ist.

Aha, das ist eine Badenixe, die für ein Reisebüro wirbt. Und die kleine Glatze steht für ein Mittel gegen Haarausfall. Oh, was für ein schönes Minibildchen von Che Guevara, das da jemand als Kunstwerk ins Netz gestellt hat.

Pixel war das Schlüsselwort in Alex Tews Notizbuchs. Pixel, also einzelne Bildpunkte auf einem digitalen Bild, auf einem Monitor.

"Selling Pixels", schrieb der Student. "Pixel verkaufen". Ein Dollar pro Stück. Mindestens eine Million. Tew mietete sich eine Domäne für seine Website, nannte sie "Million Dollar Homepage" und verteilte seine Pressemitteilungen.

Hier und da erschien eine Buntmeldung über den Jungen "mit dem Pixel-Spleen", der Mikrowerbeflächen auf seiner Internetseite verkaufte, jeweils mindestens 10 mal 10 Bildpunkte groß, zum Mindestpreis von 100 Dollar. Der Clou: Beim Anklicken des Logos kommt der Nutzer direkt auf die Homepage des Kunden.

Der Rest ist Geschichte oder auch das, was man einen Schneeballeffekt nennt. Aus einem Flöckchen wurde eine Lawine. Am Mittwoch waren alle der eine Million Pixel verkauft, die 1000 letzten gar meistbietend bei e-Bay versteigert.

Tew kann in Ruhe weiterstudieren. Ein Job als Innovationsdirektor in einer guten Firma dürfte ihm sicher sein. "Irgendwie", sagt er, "kann ich das alles noch nicht glauben. Früher habe ich den Begriff Geld immer nur mit fünf Pfund pro Stunde für einem Job im Supermarkt in Verbindung gebracht."

© dpa/Thomas Burmeister
Zur SZ-Startseite