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Ein Anruf bei:Rainer Schaller,...

...der gerade die Loveparade in Berlin abgesagt hat, und nun eine neue Stadt sucht

Am Donnerstag hat der Geschäftsführer der Loveparade Berlin GmbH, Rainer Schaller, den Genehmigungsantrag für den am 7. Juli geplanten Techno-Umzug in Berlin zurückgezogen. Nun können sich Metropolen in ganz Europa bei ihm um die Austragung der Loveparade bewerben. Als Grund für die Absage gibt Schaller an, dass die politisch Verantwortlichen in Berlin sich noch immer nicht zur Loveparade bekennen würden.

Loveparade, Rainer Schaller

"Ich bin enttäuscht von Berlin, sogar frustriert."

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Herr Schaller, Sie benehmen sich ja wie das IOC. Was hat denn Berlin falsch gemacht, dass Sie der Stadt die Loveparade wegnehmen?

Schaller: Berlin hat einiges falsch gemacht, darum suchen wir jetzt eine Stadt, die zu uns steht und die Bedeutung der Loveparade zu schätzen weiß. Ich bin enttäuscht von Berlin, sogar frustriert. Ich bemühe mich seit dem 6. Juni vergangenen Jahres um einen Gesprächstermin mit einem Verantwortlichen der Stadt, und bis heute kam nicht mal eine Antwort auf meine Anfrage.

SZ: Aber Leute aus Ihrem Team treffen sich doch ständig mit Vertretern der Stadt, um alles vorzubereiten.

Schaller: Ja, auf Arbeitsebene, da läuft das. Polizei, Grünflächenamt, alles kein Problem, aber von den politisch Verantwortlichen kam bisher keine Reaktion. Einer muss ja unterschreiben und sagen, wir wollen das. Schließlich brauchen wir Planungssicherheit. Zur Zeit gibt es keine endgültige Genehmigung für die Loveparade.

SZ: Letztes Jahr kam die Genehmigung vier Tage vor der Veranstaltung.

Schaller: Da gab es aber einen Rahmenvertrag. Der ist ausgelaufen.

SZ: Wir haben gerade mit dem Senat für Stadtentwicklung gesprochen. Die haben uns aus einem Brief vorgelesen, den Sie erhalten haben. Darin heißt es, dass die Stadt fest von einer positiven Bescheiderteilung ausgeht.

Schaller: Dass die davon ausgehen, reicht nicht. Ich brauche etwas Konkretes, ein Bekenntnis zur Loveparade von politischer Seite aus.

SZ: Okay, dann ist das Ganze ja wohl nur ein Missverständnis. Der Senat will die Loveparade. Wenn Sie morgen also Klaus Wowereit anruft und sagt, ja, ich will, dann ist doch alles wieder in bester Ordnung?

Schaller: Nein, das geht nicht mehr. Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, einen anderen Partner zu finden.

SZ: Sind Sie jetzt beleidigt, oder was?

Schaller: Nein, es wäre unfair den anderen Städten gegenüber. Ich bin Geschäftsführer von McFit, der größten Fitnessstudiokette Deutschlands, und der Bürgermeister hat keine Zeit, sich mit mir zu treffen. Wir wollten ja sogar unseren Firmensitz nach Berlin verlegen.

SZ: Es heißt, dass Ihnen das alles sehr gelegen kommt, da Sie Probleme mit der Finanzierung hätten.

Schaller: Unfug. Die Stadt versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Unsere Kriegskasse bei McFit ist gut gefüllt, die Finanzierung der Loveparade ist gesichert.

SZ: Also gut, was muss denn ein Austragungsort mitbringen, um den Zuschlag zu erhalten?

Schaller: Vor allem das Bekenntnis zur Loveparade. Wir möchten eine Metropole mit mindestens einer Million Menschen im Einzugsgebiet. Wir haben bereits Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Hamburg angeschrieben. Es gibt aber auch schon sehr viele Anfragen von anderen Städten. Seriöse Anfragen.