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Ehrenmord-Prozess:Lebenslang für Flughafenmörder

Wegen der Ermordung seiner Ex-Frau am Stuttgarter Flughafen hat ein Kosovo-Albaner die Höchststrafe bekommen. Er habe die Tat bewusst spektakulär begangen, stellte der Richter fest.

Höchststrafe für einen sogenannten Ehrenmord: Das Stuttgarter Landgericht hat den Kosovo-Albaner Avdyl L., der seine Exfrau auf dem Stuttgarter Flughafen erschoss, zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Pross sagte am Montag, der Angeklagte habe seiner 25-jährigen früheren Frau am 31. März in der Schalterhalle aufgelauert und mit mehreren Schüssen getötet. Er habe die Tat bewusst spektakulär begangen, "um seine Ehre wiederherzustellen." Hintergrund der Tat war ein Sorgerechtsstreit um die beiden Töchter.

Mit dem Urteil entsprach das Landgericht in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld schließt eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren Haft aus.

Heimtückisch und öffentlichkeitswirksam

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 32-Jährige fünf Schüsse aus nächster Nähe auf den Kopf der Frau abgab. Sie war sofort tot.

Von den etwa 100 Menschen in der Schalterhalle - darunter viele Kinder - wurde ein Mann von einem Streifschuss am rechten Oberschenkel verletzt. Pross sprach von einer Hinrichtung. Der Angeklagte habe bewusst die große Öffentlichkeit gesucht, um seine frühere Frau heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen zu töten.

Den Ermittlungen zufolge wollte der Mann ein Wiedersehen seiner geschiedenen Frau mit den zwei gemeinsamen Töchtern im Kosovo verhindern. Im Mai 2006 war die Frau nach sechsjähriger Ehe vor ihrem gewalttätigen Mann in ein Frauenhaus geflohen. Die damals sieben Monate und zwei Jahre alten Töchter ließ sie zurück, um nicht entdeckt zu werden.

Kurz darauf reiste sie wohl aus Angst vor dem Mann zu Verwandten in das Kosovo. Dort wurde die Ehe geschieden und das Sorgerecht für die Töchter allein dem Vater übertragen. Wenige Monate später kehrte die Frau nach Deutschland zurück, um vor Gericht das alleinige Sorge- und Umgangsrecht für die Kinder zu erstreiten.

"Richter über ihr Leben"

Zwischenzeitlich brachte der Vater die Kinder zu seinen Verwandten ins Kosovo. Das Familiengericht entschied daher vorläufig, dass die Frau ihre Kinder im April dieses Jahres zunächst dort treffen dürfe. Hierzu wollte die Frau am Tattag von Stuttgart aus nach Pristina fliegen.

Richter Pross sagte, die Frau habe ihre Kinder geliebt und sie sei bereit gewesen, unter Lebensgefahr zu ihnen zu fliegen. Die Frau sei von dem Angeklagten während der Ehe öfters misshandelt worden. Sie musste sterben, weil sie sich von ihm getrennt habe. "Der Angeklagte hat sich zum Richter über ihr Leben aufgeschwungen."

Der 32-Jährige hatte ein Geständnis abgelegt. Ein Psychiater stufte ihn als voll schuldfähig ein. Er habe die Tat beschönigt, sagte der Richter.

Viele Menschen würden noch heute unter dem Vorfall leiden, weil sie Mord mitbekommen hatten. Die Frau habe nicht mit einem Angriff am Flughafen gerechnet. Sie hatte sich wenige Minuten vor der Tat noch an die Polizei gewandt, weil sie ihren Mann gesehen hatte.

Pross sagte, der Polizei dürfe man keinen Vorwurf machen. Die 25-Jährige habe es abgelehnt, bei einem Beamten zu bleiben während ihre Angehörigen die Formalitäten am Schalter erledigen sollten.