bedeckt München 22°

Das Dartmoor:Auf den Spuren des Höllenhundes

Wenn man das Moor betrete, lasse man "alle Spuren des modernen England hinter sich", und käme aus einer der alten Steinhütten "ein in Felle gehüllter und behaarter Mann herausgekrochen, der einen Pfeil mit Feuersteinspitze auf die Sehne seines Bogens legte, dann würde man das viel natürlicher finden als die eigene Anwesenheit."

Das ist trefflich geschrieben. Und millionenfach gelesen. In fast allen Ländern der Welt ist Doyles "Hund von Baskerville" erschienen. Mindestens 19 Filme haben ihre eigene Wirklichkeit des Dartmoors geprägt mit dieser düsteren Geschichte von einem angeblichen Riesenhund mit glühend roten Augen, der sich über die Familie der Baskervilles hermacht und sich am Ende als dressierte Bestie des Mister Stapleton erweist, eines vergessenen Sippenmitglieds der Baskervilles.

Nach allem, was die Holmes-Forscher und -Freunde zusammengetragen haben, geht die Idee zu diesem Weltbestseller und Gruselklassiker auf eine Begegnung Doyles mit dem britischen Abenteurer und Journalisten Bertram Fletcher Robinson zurück.

Fletcher Robinson lernte Doyle auf einer Schiffsreise kennen und machte ihn mit den Mythen und Legenden des Dartmoor vertraut. Doyle fing Feuer und reiste kurz darauf im Mai des Jahres 1901 ins Dartmoor und quartierte sich im Duchy Hotel ein, wo heute ein Besucherzentrum eingerichtet ist und die vertraute hagere Figur von Holmes die Stufe des Hotels Richtung Ausgang hinuntersteigt, beäugt von seinem dicklichen Schöpfer Doyle.

"Hier bin ich nun in der höchsten Stadt Englands", notierte er in einem Brief an seine Mutter, "Robinson und ich erforschen das Moor für unser Sherlock-Holmes-Buch. Ich glaube, es wird vortrefflich, tatsächlich habe ich schon die Hälfte davon geschrieben. Holmes ist in Hochform, und es ist eine sehr dramatische Geschichte - die ich Robinson verdanke."

Man habe, schreibt er, "14 Meilen im Moor zurückgelegt und wir sind jetzt auf angenehme Weise erschöpft."

Das Moor. Über 500 Quadratkilometer erstreckt es sich in einem Dreieck zwischen Plymouth, Exeter und Tavistock, eingeklemmt im Südwestzipfel Englands zwischen englischem Kanal im Süden und dem Atlantik im Norden.

Eine Gegend, die vor 7000 Jahren von dichtem Wald bestanden war und nun diese einzigartige moorige Weite bildet, ein Nationalpark, in dem man über ratternde Roste in eine Art riesige Freiweide fährt, wo Schafe ungelenk vor dem Kühler hergaloppieren oder störrische Ponys ihre kugeldicken Bäuche nicht von der Straße bewegen.

Mittendrin liegt Princetown, von hier führt Doyles Weg über die Farm von Nun's Cross und die alte Zinnmine von Whiteworks über das Tal des River Swincombe, nach Hexworthy, von dort zu den Erhebungen des Bellever und des Laughter Tor bis zur Bronzezeit-Siedlung von Grimspound, von der heute noch ein archaisches Steinrund und Steinhaufen künden, die einmal Hütten waren. Aus diesen Eindrücken schuf Doyle seine Welt.

Zur SZ-Startseite