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Casino in Basel ausgeraubt:Der Coup

Szenen wie im James-Bond-Film: Mit Vorschlaghammern und Maschinenpistolen bewaffnet stürmte eine Bande das Grand Casino Basel - bei laufendem Betrieb.

Cathrin Kahlweit

Also, die Berliner Täter, die kürzlich im Grand Hyatt Hotel mit Pistolen und Macheten ein Pokerturnier überfallen und eine knappe Viertelmillion Euro erbeutet haben, können es nicht gewesen sein: Die sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Aber offenbar haben sie Nachahmer gefunden, denn der Überfall auf das Grand Casino Basel in der Nacht zum Sonntag sah ziemlich ähnlich aus: Das Ganze war Actionkino pur.

Zehn vermummte, schwarz gekleidete und mit Maschinenpistolen sowie Vorschlaghämmern bewaffnete Männer rasten nach Angaben der Baseler Staatsanwaltschaft in zwei grauen Audis vor die Tore des Spielcasinos an der Flughafenstraße in Basel, sprangen heraus, zertrümmerten die Eingangstüren und stürmten um vier Uhr nachts in das Gebäude.

Das Casino hat von zehn Uhr morgens bis fünf Uhr in der Früh geöffnet; als im Schutz der Nacht die Räuber hereinstürmten, saßen etwa 600 erschrockene Menschen an den Spieltischen.

Die schwer bewaffneten Männer stießen Angestellte und Gäste zur Seite, dann teilte man sich: Eine Hälfte rannte in den Keller, räumte dort eine Kasse aus und versuchte, die Türen zum Tresor zu öffnen - offenbar vergeblich, worauf ein paar Schüsse fielen. Eine zweite Gruppe stürmte ins Obergeschoss und leerte dort eine weitere Kasse aus.

Während des Überfalls schossen die Männer einige Male in die Luft, um Personal und Gäste einzuschüchtern - was allerdings nur begrenzt nötig war, denn viele hatten sich in Panik zu Boden geworfen. Anschließend rannten die Räuber mit mehreren hunderttausend Franken Beute hinaus, sprangen in ihre Wagen und wollten gen Frankreich davonfahren.

Eine unbeteiligte Frau, die mit ihrem Wagen die Fluchtautos behinderte, wurde von den Tätern aus ihrem Auto gezerrt und geschlagen; dann raste die Gruppe davon.

Das Grand Casino, das sich gern als "The Swiss Las Vegas" preist, liegt im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz; das Unternehmen wirbt auf seiner Webseite damit, dass man in drei Minuten am Flughafen und in fünf Minuten in der Innenstadt von Basel sei. Zur Grenze nach Frankreich, die wegen des Schengenabkommens nicht bewacht wird, ist es ebenfalls nicht weit.

Die schweizerische Polizei leitete zusammen mit den französischen Behörden Ermittlungen ein. "Wir sind alle sehr geschockt'', sagte Casino-Geschäftsführer Michael Favrod im Schweizer Fernsehen. Bis zum Abend gab es keine heiße Spur der Täter - anders als nach dem Überfall auf das Berliner Pokerturnier, das von der Spielbank Berlin ausgerichtet worden war. Schon kurz nach der Tat kursierten erste Videoaufnahmen und Hinweise auf mögliche Täter.

Das Casino in Basel ist ein futuristischer, nachts rot beleuchteter Bau. Nach dem Überfall, bei dem ein Sicherheitsmann und einige Gäste leicht verletzt wurden, klingt die Eigenwerbung makaber: "Langeweile wird sicherlich nicht aufkommen."

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