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Brasilien:Picasso-Werke geraubt

Am helllichten Tag drangen bewaffnete Räuber in ein Museum in Brasilien ein und raubten vier Kunstwerke, darunter zwei kostbare Stiche von Pablo Picasso.

Getarnt als Besucher haben bewaffnete Diebe aus einem Museum im brasilianischen São Paulo mehrere Kunstwerke geraubt - darunter zwei Grafiken von Pablo Picasso. Die insgesamt vier gestohlenen Werke haben einen Gesamtwert von rund 400.000 Euro, wie die Leitung des Museums Estação Pinacoteca im Zentrum der Metropole mitteilte. Der Fall reiht sich ein in eine Serie spektakulärer Kunstdiebstähle weltweit.

Neben den zwei Picasso-Grafiken raubten die Unbekannten bei dem Überfall in São Paulo am helllichten Tag auch je ein Bild der brasilianischen Maler Lasar Segall und Emiliano Di Cavalcanti. Nachdem die drei Männer umgerechnet je 1,60 Euro Eintritt bezahlt hatten, gingen sie zielstrebig in den zweiten Stock des Museums, wo die Bilder ausgestellt waren, überwältigten die Aufseher und verschwanden - zunächst unerkannt, aber aufgenommen von Überwachungskameras.

Die ganze Aktion dauerte weniger als 10 Minuten. Die Aufnahmen zeigen zwei der drei Männer, die mit den gestohlenen Werken in den Händen seelenruhig das Museum verlassen. "Die sind äußerst dreist vorgegangen, waren nicht einmal maskiert", staunte der Leiter der Polizeieinheit zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, Youssef Abou Chahin. Man habe inzwischen auch Fingerabdrücke der Täter. Die Polizei glaubt, dass die Diebe wohl im Auftrag von Kunstsammlern agierten, da wertvollere Werke im 2. Stock nicht beachtet wurden.

Am Freitag wurde derweil in Brasilien landesweit die Jagd auf die Diebe eröffnet. Phantombilder von zwei der drei gesuchten Männer wurden von den meisten Medien veröffentlicht. Beamte in Zivil hielten laut Medien unter anderem in Häfen, Flughäfen und wichtigen Schnellstraßen Ausschau. Das Museum Estação Pinacoteca wurde am Freitag wieder geöffnet, im abgesperrten zweiten Stock waren am Vormittag aber immer noch zahlreiche Polizeibeamte eifrig bei der Spurensicherung.

Kunstexperten sind sich einig: In den vergangenen Monaten haben sich derartige Fälle gehäuft. Meist haben die Täter berühmte Meister im Blick - von Rembrandt und van Gogh bis Monet, Sisley und Picasso.

Oft sind die Werke Millionen wert. Einige der aufsehenerregenden Diebstähle: Aus der Zürcher Sammlung Bührle werden in diesem Februar vier berühmte Ölgemälde gestohlen; im Sommer 2007 lassen bewaffnete und vermummte Männer im südfranzösischen Nizza vier Bilder aus einem Museum mitgehen. Und im Februar 2007 dringen Unbekannte in die Pariser Wohnung einer Picasso-Enkelin ein und lassen drei wertvolle Werke verschwinden.

Trotz der zuletzt offensichtlichen Häufung sieht Ernst Schöller vom Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg, Kenner der weltweiten Langfinger-Szene, keinen Trend. "Die Vielzahl der Fälle dürfte eher ein Zufall sein. Solche Phasen gibt es immer wieder", sagt der Experte. Auffällig ist hingegen das weltweite Agieren der Kunstraub- Banden - und mittlerweile auch das von Polizeiermittlern. "Ein Picasso-Gemälde können Sie heute nicht mehr auf dem Kunstmarkt unterbringen. Dafür ist der Markt schon zu vernetzt", sagt Kriminalhauptkommissar Schöller.

"Fakt ist, der Kunstmarkt ist globaler geworden", meint auch der Direktor des deutschlandweit einzigen Picasso-Museums in Münster, Markus Müller. In jedem noch so kleinen Winkel der Welt werde heute "hochkarätige Kunst" ausgestellt. Müller spricht von einem weltweiten "Werktourismus", der auch die Museen vor neue Herausforderungen stelle: "Der Besucher ist der natürliche Feind der Museen. Diese wollen Kunst populär machen und die Menschen nicht in einen Hochsicherheitstrakt führen, müssen aber eben Sicherheitsstandards einhalten." Kunstexperten glauben, dass die Täter von São Paulo gute Chancen haben, ihre Beute in bare Münze zu verwandeln. Die Picasso-Grafiken, sofern sie nicht nummeriert sind, hätten keinen allzu großen nominalen Wert. Deshalb ließen sie sich gut verkaufen.

Als gängiges Motiv bei Kriminellen gilt auch sogenanntes Artnapping. Dabei werden die Werke dem Museum zum Rückkauf angeboten. Die Diebe drohen, die Stücke andernfalls zu zerstören. Dafür spricht im Fall São Paulo, dass die Täter neben den Picasso-Werken - "Der Maler und sein Modell" (1963) und "Minotaurus, Trinker und Frauen" (1933) - auch zwei Bilder international weniger bekannter brasilianischer Künstler raubten.